Kerzenmacher

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kerzenmacher (mhd. kerzen-macher, v. kerze, kirze, ahd. charza; Kerzen-, Lichterzieher, Wachszelter; mlat. candelator, cerarius, cereficarius). Kerzen für den kirchlichen und klösterliche Bedarf wurden ausschließlich aus ®Bienenwachs hergestellt. Produziert wurden sie zuerst in Klosterwerkstätten, vom 13. Jh. an auch von selbständigen Handwerkern. Die Lehrzeit betrug 3 - 4 Jahre; Kerzenmacherzünfte sind belegt für Hamburg (1375) und Lübeck (1477). Zum Metier der Kerzenmacher (Wachszelter) gehörte auch das Gießen von Reliefbildern und Votivgaben in Holzmodeln und das Modellieren von Siegeln (Zeroplastik).
Techniken des Kerzenmachens waren: Gießen, Tauchen und Ziehen. Beim Gießen wurde der senkrecht aufgespannte Docht wiederholt mit flüssiger Kerzenmasse angegossen, oder er wurde in eine Negativform gespannt, in die man dann die heiße Kerzenmasse goß. Beim Tauchen (Tunken) werden die an einem Holzstab ("Dochtspieß") befestigten Dochte viele Male in einen Behälter mit heißer, flüssiger Kerzenmasse getaucht; dabei legt sich in konzentrischen Schichten ein konischer Wachsbelag an. Der so belegte Docht wird um 180° gewendet und weiter eingetaucht, bis sich die zylindrische Form ergibt. Die fertigen Kerzen werden mithilfe eines Rollbretts gerollt, um Unebenheiten auszugleichen. Beim Kerzenziehen wird der auf zwei Trommeln aufgespante "endlose" Docht wiederholt durch flüssiges Wachs geführt. Der dabei kontinuierlich entstehende Strang wird durch Lochscheiben wachsenden Durchmessers geführt (und dabei geglättet), bis er auf den erwünschten Durchmesser angewachsen ist. Danach wird der Strang in einzelne Stücke zerschnitten, der Kopf gerichtet und der Fuß gelocht.
Talg- oder Unschlittkerzen (mhd. unslit, ahd ingislahti = Eingeweide) wurden im Rahmen der häuslichen Selbstversorgung hergestellt, vom HMA. an auch von ®Seifensiedern, die wegen des gleichen Ausgangsmaterials gleichzeitig Lichterzieher waren, oder von Metzgern gegossen. Wegen der Geruchsbelästigung und der erhöhten Brandgefahr wurde das Handwerk am Stadtrand angesiedelt.