Kesselschmied

Aus Mittelalter-Lexikon
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Kesselschmied (Kessler; mhd. kezzel-smit, kezzelaere; nach dem verarbeiteten Material auch Kupferschmied, nach der Arbeitsweise auch Kaltschmied genannt; mlat. aerarius, aerariusfaber, caldariator, cuprarius, cuprifaber). Die meisten Geräte des täglichen Bedarfs wie Kessel, Töpfe, Pfannen, Backformen, Kannen, Waschbecken, Trichter, Bettwärmer usf. wurden aus Kupfer hergestellt, das kalt gehämmert, gedengelt und getrieben wurde. Nahtstellen wurden gelötet, gefalzt oder genietet. Die Fertigprodukte wurden direkt an den Endverbraucher abgegeben. Im SMA. begann man in den größeren Handelsstädten wie etwa Nürnberg, Augsburg oder Leipzig mit der Produktion für den Export. Kesselschmiede übten Verkauf und Reparatur teilweise auch als Wandergewerbe aus, wobei sie darauf bedacht waren, nicht mit den übel beleumundeten vagierenden Kesselflickern verwechselt zu werden. Sie bildeten Genossenschaften, die sich zur Sicherung ihrer Rechte dem Schutz eines adligen Schirmherrn unterstellten. Die Kesslergenossenschaften erlangten Privilegien, wie Befreiung von Steuern und Abgaben und eine eigene Niedergerichtsbarkeit (z.B. Oberbayern, 1345).
Der ambulanten Arbeitsweise des Kesslers kam entgegen, dass sein wichtigstes Arbeitsgerät, der Amboss, vergleichsweise leicht und damit transportabel war. Er bestand aus einer etwa 1 m langen und 5 cm starken Eisenstange (Stellbock), deren austauschbares Ende als Amboss zum Strecken, Schlichten und Nieten diente. Zum Handwerkszeug gehörten verschiedene Hämmer und Klüpfel, Fasszangen, Stanzen und Stichel, Meißel, Durchschläge, Feilen und der Lötkolben. Der mitgeführte Blasebalg erscheint auf ma. Darstellungen quasi als Erkennungszeichen.
Die Lehrzeit dauerte bis zu 3 oder 4 Jahren, eine zwei- bis dreijährige Wanderschaft, dreijährige Mutzeit sowie die Erstellung eines Meisterstücks waren obligatorisch.
Kesselflicker (lat. Aerarius veteramentarius) gehörten zum Fahrenden Volk und, waren häufig ®Zigeuner. Sie zogen mit Familie durch die Lande, lagerten in der Nähe von Dörfern und schlugen dort Zelte als Werkstätte und Unterkunft auf. Hin und wieder werden sie ihren Lebensunterhalt wohl auch durch Diebstahl aufgewertet haben. Sie verwendeten das gleiche Werkzeug wie die ambulanten Kesselschmiede; ihre Daseinsberechtigung bezogen sie aus der Tatsache, dass undicht gewordene Töpfe, Kessel, Schüsseln, Pfannen und Kannen aus Metall zu wertvoll waren, um sie wegzuwerfen. Aus Metallblech wurden Flicken aufgesetzt und verlötet oder verschweißt.