Klimata

Aus Mittelalter-Lexikon
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Klimata (Geogr.; lat. climata mundi). Parallele Streifen der nördl. Hemisphere, angeordnet um bestimmte Breitenkreise, von denen aus annähernd die gleichen Sternbilder zu beobachten waren und die hinsichtlich der längsten Tagesdauer nicht wesentlich voneinander abwichen, wurden von den Geographen des MA. als Klimata bezeichnet. Vom Klima eines Ortes hing demnach die Tageslänge und damit die Dauer der Temporalstunde ab. Von sekundärer Bedeutung waren dagegen die metereologischen Bedingungen – der moderne Wortsinn kam erst in der Neuzeit auf.
Die Anzahl der Klimata zwischen Äquator und Pol wurde unterschiedlich angegeben. Johannes von Sacrobosto unterschied sieben Klimata, deren siebtes und letztes die Miotischen Sümpfe, das nördliche Germanien und Britannien umfasst – der Rest Nordeuropas wurde bis ins 13. Jh. von den Gelehrten als unbewohnbar angesehen. Im SMA. rechneten die Geographen mit 24 Klimata. Astrolabien für astronomische Berechnungen waren auf ein bestimmtes Klima (eine bestimmte geogr. Breite) geeicht.
Frühe Beispiele für Karten dieser Art finden sich in „Expositio in Somnium Scipionis es Cicerone“, einem Kommentar des lat. Philosophen und Grammatikers A. Th. Macrobius (395 - 423) zu Ciceros Werk „Somnium Scipionis“, wonach sie als „Macrobiuskarten“ benannt werden. Die meerumflossene Erdscheibe ist darauf beidseits des Äquators in je einen heißen, nicht bewohnbaren Streifen, anschließend in eine breite, gemäßigte und daher bewohnbare Zone und jenseits davon in eine schmale polnahe, sehr kalte und lebensfeindliche Zone eingeteilt. Die bekannte Oikumene war auf die nördliche gemäßigte Zone beschränkt. Bei kirchlichen Autoritäten standen diese Karten in Verruf, da sie auch südlich des Äquators bewohnbare Zonen aufwiesen und somit der verpönten Antipoden-Lehre Vorschub leisteten. – Vor Macrobius hatte schon Krates von Mallos (2. Jh. v. Chr.) eine Theorie über die bewohnbaren Zonen der Welt aufgestellt. Ihr zufolge teilten die Meere die Landmasse in vier Teile, deren einer südlich des Äquatorialozeans lag. Damit nun das Gleichgewicht der Erdkugel gewährleistet war, musste auf der uns abgewandten Seite ein vierter, unbekannter Südkontinent angenommen werden. Karten nach diesem Schema werden als „Krates-Karten“ bezeichnet.