Kohleförderung

Aus Mittelalter-Lexikon
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Kohleförderung (mhd. kol; mlat. carbo, worunter bis zum 14. Jh. normalerweise Holzkohle verstanden wurde). Bereits für das 2./3. Jh. nach Chr. ist für die röm. Provinz Niedergermanien (am Niederrhein) die Verwendung von oberirdisch abgebauter Steinkohle (fossile Pflanzenreste) nachgewiesen. Danach scheint Kohle als Brennstoff in Vergessenheit geraten zu sein. Erst im 12. Jh. kam es – als Ersatz für das knapp und teurer werdende Holz – in der Aachener Gegend, bald darauf in der Region um Saar und Ruhr und bei Lüttich neuerdings zu Kohleabbau. Von dort bezogen im SMA. die in angrenzenden Gebieten lebenden Glasmacher, Schmiede, Ziegler, Brauer usf. ihren Brennstoff. (Wegen der hohen Transportkosten kam Steinkohle nur in unmittelbarer Nachbarschaft der Förderstätten zum Einsatz. Eine Ausnahme stellt die Kohle aus den Gruben von Northumberland dar, die wegen ihrer küstennahen Lagerstätten über See verschifft wurde.) Im 13. Jh. kam es zu Kohleabbau in bescheidenem Umfang bei der Abtei Klosterrath b. Aachen oder bei dem Kloster Klosterroda (Hzgt. Limburg); Abnehmer waren klösterl. Gewerbebetriebe (Schmieden, Ziegeleien), daneben diente die Kohle der ärmeren Bevölkerung als Brennmaterial anstelle von Holz. Eine Urkunde von 1389 belegt, dass in der Eschweiler Kohlengrube (mndd. koylberg) ein Entwässerungskanal (mndd. aducht, abgeleitet von lat. aquaeductus) in den Berg getrieben wurde. Demnach waren die über Tage liegenden Flöze bereits ausgekohlt, sodass man hatte zum Tiefbau übergehen müssen. Bis ins SMA. fand Steinkohle (kolstein, steynekole) vorrangig im Haushalt (Kochherd, Heizofen) Verwendung. Eine Textstelle von 1436 belegt erstmals ihren Einsatz im Brauwesen. Vermutlich wurde sie im 14/15. Jh. auch schon zum Kalkbrand eingesetzt. Am Ende des 15. Jh. belegen Zollrechnungen den Export von Steinkohle aus dem Saar- und Ruhrgebiet in die waldarmen Niederlande. Abgesehen von Nordwesteuropa blieb Steinkohle als Brennstoff jedoch bis zum Ende des MA. weitgehend unbekannt. In den Fördergebieten kam es infolge des oberflächennahen Abbaus und der großen Zahl der Fördergruben zu massiven Flurschäden, denen man mit Verbotsbestimmungen zu steuern suchte.
(Nenneswerter Steinkohlebergbau und gewerbliche Verwendung kam in Deutschland erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jh. auf. – In England dagegen wurde Steinkohle [pit coal, sea coal] seit dem frühen 12. Jh. weithin als Holzersatz genutzt, da die Wälder durch Übernutzung stark zurückgegangen waren; schon 1285 ist eine königliche Kommission zu dem Ergebnis gekommen, dass in vielen Regionen die Luft durch das Verheizen von Kohle „verunreinigt und verdorben sei und eine Gefahr für alle darstelle“ [Zit. bei E. Schubert]. Die Kohle aus oberflächennahen Gruben war von schlechter Qualität; sie war stark schwefel- und bitumenhaltig, ihre Verbrennungsgase waren übelriechend und erregten Würgereiz. London gilt als die erste Großstadt der Welt, die stark unter „man-made atmospheric pollution“ litt. [J. Gimpel])
Steinkohleabbau unterlag nicht überall landesherrlichem Regal, mancherorts stand er in der Verfügungsgewalt des Grundeigners. Dieser konnte den Abbau selbst besorgen oder einen Unternehmer damit beauftragen. Bergrechtliche Regelwerke, wie sie beispielsweise für den Lütticher Raum schon im 13. Jh. beurkundet wurden, ordneten die Verträge zwischen Grundeignern und Fördergesellschaften, setzten Richtlinien zu Fördermengen, Wasserlösung, Verkauf und Abtransport der Kohle.