Kuttenberg

Aus Mittelalter-Lexikon
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Kuttenberg (tschech. Kutna Hora). Reizvoll über dem tief eingeschnittenen Tal des Flüsschens Vrchlice gelegene historische mittelböhmische Stadt (ca. 50 km östl. Prag). Bereits im 10 Jh. wurden in dieser Gegend Silberlager ausgebeutet, arbeitete eine Münzstätte der Slavnikinger Fürsten. Der Name Kuttenberg erscheint erstmals 1276, als die Silberförderung eine wesentliche Steigerung erfahren hatte. 1289 bekam der Ort städtisches Recht, 1300 begann der Bau des „Welschen Hofes“ als königlicher Residenz und Münzstätte. Im 14. Jh. war Kuttenberg nach Prag die größte Stadt Böhmens. Hier prägten aus Florenz angeworbene Münzmeister den „Prager Groschen“, ein im ganzen ma. Europa umlaufendes Silberstück von hoher Reinheit. Am 18. Januar 1409 unterzeichnete in der Kuttenberger Residenz König Wenzel IV. das von Jan Hus initiierte tschechisch-nationalistische „Kuttenberger Dekret“, das die deutschen Professoren und Studenten der Prager Karlsuniversität zugunsten ihrer tschechischen Kollegen benachteiligte. (Hatten bisher die nationes der Böhmen, Bayern, Sachsen und Polen je eine Stimme in den Gremien der Universität, so sollten von nun an die Böhmen drei, die anderen nationes zusammen nur eine Stimme haben. Mit dieser Umkehr der Stimmverhältnisse sollte der Einfluss besonders der deutschen Studenten und Lehrer beschnitten werden.) Die Deutschen zogen daraufhin nach Leipzig und gründeten dort im gleichen Jahr eine eigene Universität. 1421 eroberten hussitische Truppen die Stadt und hielten sie bis 1424, als sie der Übermacht Kaiser Sigismunds weichen mussten. Bald darauf eroberten Hussiten unter Jan Sizka die Stadt zurück und verwüsteten sie. Von nun an blieb sie ein Zentrum des tschechischen Protestantismus. Im „Welschen Hof“ wählten 1471 die böhmischen Stände den polnischen Prinzen Vladislav Jagiello zum König von Böhmen. Innerhalb des nächsten Jahrhunderts ging die Silberausbeute der Kuttenberger Minen zurück. Die Münzstätte und damit die Stadt verloren an Bedeutung.
Von den ma. Bauten der Stadt seien erwähnt: der o.g., vielfach umgebaute und vergrößerte „Welsche Hof“ mit Palas, Ratssaal und Wenzelskapelle (14. Jh.); das spätgot. „Steinerne Haus“ (1485 – 95); die got. St. Jakobskirche (1330 – 1420; wohl unter Mitwirkung der Parlerschen Bauhütte entstanden); die fünfschiffige St. Barbara Kathedrale (zu Ehren der Patronin der Bergleute, 1388 nach einem Entwurf von Peter Parler begonnen, finanziert von den Kuttenberger Patriziern und Minenbesitzern).