Landflucht

Aus Mittelalter-Lexikon
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Landflucht. Wie in England und Frankreich kam es auch in Deutschland im SMA. zu einer Abwanderung der bäuerlichen Bevölkerung. Vor allem in Mitteldeutschland entvölkerten sich 40 - 68% der Dörfer. Grund dafür waren Auflehnung gegen ausbeuterische Abgabenbelastungen und drückende Frondienste, ständige Bedrohung durch die Beutezüge mordender und sengender Fehderitter sowie Bevölkerungsschwund durch Hungersnöte und Seuchen. Die Ströme der Abwandernden waren auf die aufstrebenden Städte und auf die prosperierenden Neu-Rodungsgebiete hin gerichtet. Der Versuch weltlicher und geistlicher Grundherren, die Landflucht durch Strafandrohung zu verhindern, scheiterte nicht zuletzt an der Opposition der auf Zuzug angewiesenen Städte; um die Landflucht zu bremsen, mussten sie sich vielmehr zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen und rechtlichen Lage der Bauernschaft herbeilassen. Landflucht, Arbeitskräftemangel, steigende Löhne, Rückgang des Getreideanbaus führten zu einer dramatischen Einkommensminderung vieler Grundbesitzer, waren Ursachen und Wirkung der sma. ®Agrarkrise.
(s. Stadtrecht)