Langobarden

Aus Mittelalter-Lexikon
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Langobarden (so benannt wegen ihrer langen Bärte oder wegen ihrer langgestielten Streitäxte, den Barten). Wahrscheinlich aus Südschweden stammender, um die Zeitenwende an der Niederelbe ansässiger Stamm, der um 400 nach SO abwanderte und über Mähren zum Donauraum (Pannonien) gelangte, wo ein 1. langobardisches Königreich gegründet wurde. Unter dem Druck der Awaren zogen die Langobarden nach Italien weiter, besetzten bis zur Mitte des 7. Jh. einen Großteil der byzantinischen Provinzen im Norden des Landes (Lombardei) und in Mittelitalien (Spoleto, Benevent), und gründeten ein 2. Reich (568, Residenz Pavia). König Rothari (584-90) ließ das langobardische Volksrecht kodifizieren ("Edictus Rothari", lat.; 643). Unter seinen Nachfolgern traten die arianischen Langobarden allmählich zum Katholizismus über. König Aistulf (759-756) eroberte Ravenna, beendete dadurch die byzant. Herrschaft in Mittelitalien und führte das langobard. Königtum in Italien zum Höhepunkt seiner Macht. Sein Nachfolger Desiderius (756-74) verheiratete seine Tochter Desiderata mit Karl d. Gr., um sich den Frankenkönig zu verpflichten. Als Karl es für polit. opportun hielt, verstieß er Desiderata, zog auf Ersuchen Papst Hadrians I. gegen Desiderius zu Felde, eroberte Pavia und gliederte das Langobardenreich in das Frankenreich ein (773/774). Das langobard. Herzogtum Benevent blieb zunächst selbständig, kam im 11. Jh. unter normannische Herrschaft.