Lasterstein

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lasterstein (mhd., auch bagstein von mhd bagen = zanken; lat. lapis vituperii, l. famosus, l. scandali). Mindere Delikte wie Zank- und Trunksucht, freventliches Schwören, Fluchen, Raufen, Kuppelei, Hehlerei, kleiner Diebstahl und Betrug, wurden dadurch bestraft, dass man die deswegen Verurteilten – zumeist Frauen – den "Lasterstein" oder eine Schandflasche umhängte und sie damit um das Rathaus oder durch die Straßen („von gazzen ze gazzen“) der Stadt führte. Der Lasterstein wog ca. 25 kg und wurde der Übeltäterin mittels einer Kette oder eines Riemens um den Hals gehängt, sodass sie ihn vor sich her tragen musste.
Zitat aus einem Stadtrecht (14. Jh): "Wellich leicht weib baget mit worten, die sie vermeiden sollen, wider eine purgerin oder wider ir genössin, der soll der fronpot den bagstein um irn Hals hengen". (Von daher stammt die Redewendung "Jemandem etwas anhängen" i.S.v. "Etwas Nachteiliges von ihm sagen".)
(s. Ehrenstrafe)