Liebstöckel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Liebstöckel (Luststock, Bad-, Bärmutterkraut; ahd. lubistechal, mhd. libestecke; lat. ligusticum, levisticum, davon mlat. libisticum, libusticum, volksetymologisch gedeutet als zu liebe, liebunge gehörend; botan Levisticum officinale). Das Kräuterbuch „Macer floridus“ (~1100) begründet den altröm. Namen damit, dass die Pflanze aus der Heimat der Ligurer (im westl. Alpenraum) stamme.
Die winterharte, krautige, bis zu 2 m hohe Pflanze, ein stark aromatisch riechender Doldenblütler mit gefiederten Blättern, gelblichen bis grünlichen Blüten und hohlem Stängel, war im MA. in ganz Europa bekannt und wurde als Küchen- und Arzneipflanze angebaut. Sie erscheint sowohl in der Hofgüterordnung Karls d. Gr. als auch im Gartenplan des St. Gallener Klosters.
Dioskurides (1. Jh.) beschreibt die Wirkung von Samen und Wurzel eines Krautes namens Ligustikon als verdauungsfördernd, harntreibend, menstruationsregulierend und wirksam gegen Bisse giftiger Tiere.
Die Qualität des Krautes ist laut Odo Magdunensis „erwärmend und trocknend im dritten Grad. Die höchste Wirkungsmacht steckt aber in Wurzel und Samen und zwar gleichstark und ungeachtet wie du sie anwenden magst“. Wirksam sei sie gegen Magenblähung und Darmbeschwerden, gegen Menstruationsstörungen und als Diuretikum.
Hildegard v. Bingen wie die Ärztin Trota (12. Jh.) empfehlen L. zur Regulierung des Monatsflusses und als Mittel gegen Halsweh.
In der Volksmedizin verleibte man sich die Heilkraft des L. auch in der Weise ein, dass man Milch durch einen L.-Stängel trank. L. galt als wirksam gegen Halsschmerzen und Husten, gegen Aufstoßen und Völlegefühl, sowie – einer Fehldeutung seines Namens wegen – als Liebesmittel.
Im Aberglauben diente L. wegen seines starken Geruchs als Mittel gegen Dämonen- und Hexenzauber und wurde zur Abwehr von Unwettern in geweihten Kräuterbuschen aufbewahrt. Um vor Schlangenbissen sicher zu sein, sollte man sich die Fußsohlen mit L.-Kraut einreiben.
Das frische Kraut von L., nach Sellerie und Zitrone duftend, wurde in der Küche als Würzmittel verwendet, besonders zur Verfeinerung von Suppen (daher die moderne Bezeichnung als „Maggikraut“).