Lorbeer

Aus Mittelalter-Lexikon
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Lorbeer (Echter L., Edler L., Gewürz-L.; mhd. lorber; lat. laureus; botan. Laurus nobilis). Immergrüner Baum aus der Familie der Lorbeergewächse, der sich von Kleinasien her im Mittelmeerraum ausgebreitet hatte und auch in milden Gebieten nördlich der Alpen (Bodenseegebiet, Pberrheingraben) als Gewürz- und Heilpflanze kultiviert wurde. Verwendet wurden Blätter und Früchte, wirksame Inhaltsstoffe sind ätherische und fette Öle.
Im Aberglauben der Antike schützte ein Lorbeerzweig vor Blitzschlag, und noch Konrad v. Megenberg (14. Jh.) stellt fest: „den paum laidigt der donr und daz weterplitzen nicht“. Entsprechend seinem seltenen Vorkommen nördlich der Alpen spielt der L. im deutschen Aberglauben eine unbedeutende Rolle.
Was die Heilwirkunger der L. anbetrifft, so heißt es im Macer floridus: „Geschwollene Hoden kannst du behandeln, wenn du Raute (Ruta graveolens), mit Lorbeerblättern gut gestampft, auflegst“. Gegen Bauchgrimmen wird im gleichen Kräuterbuch ein Trank aus Lauwein mit Pfefferkörnern und Lorbeerfrüchten empfohlen.
Hildegard v. Bingen rät gegen unvollständige Samenentleerung zu einer Mixtur von zerstoßenen Lorbeeren und doppelt soviel Diptam in einem Trunk Wein, der mit heißem Stahl angewärmt war. – Einer, der „dermaßen vom Zorn bewegt wird, dass er schmerzlich darunter leidet“, nehme Lorbeeren, trockne sie zusammen mit Salbei und Majoran, pulverisiere sie, fülle das Pulver in ein Säckchen und halte dieses dem Leidenden an die Nase – „denn die Lorbeeren besitzen eine warme und ziemliche Trockenheit und feuchten die Säfte, die der Zorn im Menschen hat eintrocknen lassen, an ...“
Als balsamig-süßes Gewürz von Suppen, Fleisch- oder Fischgerichten werden Lorbeerblätter mitgekocht und vor dem Servieren entfernt. Außerdem verwandte man L. zur geschmacklichen Anreicherung von Met, Bier und Wein.