Ludwig I. der Fromme

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ludwig I. der Fromme (778 - 840). Als jüngster und einzig am Leben gebliebener Sohn Karls d. Gr. war er 813 mit Zustimmung der Reichsversammlung in Aachen zum Mitkaiser und Nachfolger Karls ernannt worden. 816 wurde die Kaiserkrönung durch Papst Stephan IV. in Reims wiederholt, um den päpstl. Anspruch auf die Verleihung der Kaiserwürde zu demonstrieren. Auf der Aachener Reichsversammlung im Juli 817 verfügte Ludwig in der "Ordinatio imperii" die unteilbare Einheit des Reiches (unitas imperii). Abweichend von dem traditionellen fränk. Erbrecht und der "Divisio regnorum" Karls I. von 806, welche die Teilung des Reiches unter die legitimen Königssöhne vorsahen, galt nunmehr jede Spaltung des Reiches als ebenso sündhaft wie eine Spaltung der Kirche. Ludwig krönte seinen ältesten Sohn Lothar zum Mitkaiser, während die jüngeren Söhne Pippin I. und Ludwig II. zu Königen kleinerer Reichsteile ernannt wurden (Aquitanien und die Mark Toulouse bzw. Bayern, Ostmark, Pannonien und Kärnten). Der Träger der Kaiserkrone sollte als Senior des Gesamthauses über die regierenden Unterkönige erhoben sein. Nachdem 818 Ludwigs Frau Irmengard gestorben war, ehelichte er Judith, die Tochter des Grafen Welf. Aus dieser Verbindung wurde 823 Karl geboren, um dessen Erbteil die Mutter zu intrigieren begann. Ludwig änderte die Reichsteilung derart, dass 829 Karl aus dem Erbteil Lothars Alamannien mit Elsaß und Lothringen erhielt, dazu 833 Aquitanien, das Erbteil Pippins. Es kam zu der schändlichen Szene bei der Schlacht auf dem Lügenfeld bei Colmar (so benannt, da Ludwigs Truppen treubrüchig zu den aufrührerischen Söhnen überliefen), in welcher Ludwig gezwungen wurde, im Büßerhemd öffentlich sein Sündenregister zu verlesen, um so waffenunfähig, ehrlos und regierungsunfähig zu werden. Zwar wurde Ludwig im Jahr darauf aus Opportunitätsgründen von der Kirchenbuße losgesprochen und wieder als Kaiser eingesetzt, doch gingen die Kämpfe um die Macht im Reich weiter und Kaiser Ludwig starb inmitten der Wirren auf einer Rheininsel bei Ingelheim.