Malve

Aus Mittelalter-Lexikon
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Malve (hier: Wilde Malve und Weg- oder Feld-Malve, botan. Malva silvestris und M. neglecta s. vulgaris; Odo Magdunensis leitet den Namen ab von mollire/erweichen und alvus/Bauch und kennzeichnet die Pflanze damit als Abführmittel; mhd. papel, papele, v. lat. populus = Pappel; lat. malva, hibiscus; bei Hildegard v. Bingen „Babela“ genannt).
Beide Arten gehören zu der großen Familie der Malvenartigen,und sind in Nordafrika und Eurasien beheimatet. Erstere hat eine Wuchshöhe von 20 – 120 cm, rot- bis blauviolette Blütenblätter mit jeweils drei dunklen Längsstreifen, die Zweite eine Höhe von 30 – 50 cm, kleinere, weiße oder weißrote fünfstrahlige Blüten. Beiden gemeinsam sind die tiefreichende Pfahlwurze, die rundlichen fünf-siebenlappigen, wechselständig am Stängel angeordneten Blätter und die bis zu 1 cm großen scheibenförmige Früchte, die nach dem Ausreifen in mehrere Teilfrüchte (Samen) zerfallen. Der Stängel liegt häufig am Boden und krümmt sich erst mit seinem Ende in die Senkrechte.
In der ma. Heilkunde werden Blätter und Blüten Wilden M. und die Blätter der Weg-M. genutzt. Wesentliche Inhaltsstoffe sind Schleim- und Gerbstoffe mit reizlindernder Wirkung (bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, der Atemwge und des Magen-Darmtrakts, sowie bei Hautentzündungen und Geschwüren).
Ärzte der Antike wie Dioskurides verwendeten Malvenpräparate ihres Schleims wegen als Schutz gegen Vergiftungen und als Breiumschlag bei Brandwunden; die Pflanze nütze den Därmen und heile die Blase.
Karl d. Gr. befahl den Anbau von Wilder Malve (malvas) als Heilpflanze in den Gärten seiner Hofgüter.
Der Macer floridus beruft sich auf antike Ärzte-Philosophen (Sextius Niger, Dioskurides) wenn er Malvenpräparaten vielfältige Heilkräfte zuschreibt, darunter bei innerlicher Anwendung solche auf Magen, Darm und Blase, äußerlich bei Prellungen, Hautleiden, Geschwüren, Brandwunden und Antoniusfeuer. - „Nähert man einem wehen Zahn die Wurzel eines Malvenstengels, so beruhigt sie den Schmerz.“ (Zit. G. Mayer) - An den Schenkel geknüpft, soll eine Malvenwurzel die Liebeskraft fördern. Als Bestandteil von Scheidenzäpfchen erweiche sie Gebärmutterverhärtungen und bewirke den Abgang der Leibesfrucht.
Hildegard von Bingen stuft die Qualität der M. als mäßig kalt und feucht ein. Rohe M. wirke giftig, gekocht und mit Maßen genossen sei sie heilsam für Magen- und Verdauungsbeschwerden.
Die Volksmedizin verwendete M. als Schwangerschaftstest: ließ der Urin einer Frau eine damit benetzte M. innerhalb dreier Tage verdorren, so war sie nicht schwanger bzw. jungfräulich. M.-Samen galten bei Frauen als Aphrodisiacum.
In der Küche können M.-Blätter und junge Triebe als Salat, auch M.-Samen konnen roh, gekocht oder gemahlen genossen werden.
Im ma. Aberglauben scheint die Malve ohne weitere Bedeutung zu sein.
(s. Pflanzensymbolik)