Mandeville, Sir John de

Aus Mittelalter-Lexikon
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Mandeville, Sir John de. Unter diesem Pseudonym eines englischen Ritters erschien um 1356 in französischer Sprache eines der meistgelesenen Reisebücher der Welt ("Voyages"). Ob es von einem oder mehreren Autoren stammt, die aus verschiedenen Quellen kompilierten, oder ob der Autor identisch ist mit dem Lütticher Notar Jean d´Outremeuse oder mit dem Ritter Johannes de Monte Villa, gebürtig aus St. Albans bei London, bleibt im Dunklen. In dem Bericht wird behauptet, der Erzähler sei 35 Jahre lang in alle Gegenden der Welt bis hin nach China und Indonesien gekommen. Er habe das Grab Jesu und die Höhle Adams und Evas besucht, wäre Gast im Reich des Priesterkönigs Johannes gewesen, sei fremden Völkern, Fabelwesen und Ungeheuern begegnet und habe viele Abenteuer bestanden. Am Ende seiner Reise über Länder und Meere wäre er in eine Gegend gekommen, wo er wieder die eigene Sprache hörte; der Autor glaubte demnach an die Möglichkeit, die Erde umrunden zu können. Ebenso war er davon überzeugt, dass es Antipoden gäbe und dass diese nicht ins Nichts stürzten.
Als Beispiel für seine Fabulierkunst sei sein Bericht über die indischen Baumwollpflanzen erwähnt. Diese hätten kürbisartige Früchte, die bei der Reife ein essbares, wolletragendes Tier entließen. Die Wolle dieses „Baumwollschafs“ oder „tatarischen Baumschafes“ würden die Einheimischen zu Garn spinnen.
Das Reisebuch war einer der Bestseller der Zeit. Er wurde bis 1400 in alle bedeutenden Volkssprachen Europas übersetzt in liegt heute noch in mehr als 250 Handschriften vor.