Mangold

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mangold (mhd. bieze, mangolt {Herkunft unklar}; lat. beta; botan. Beta vulgaris subsp vulgaris; volkstüml. Rübstiel, Stielmus, Krautstiel, Seemangold, röm. Kohl, Beißkohl). Aus dem Mittemeerraum stammende zweijährige Gemüsepflanze, die schon in der Antike als Kulturpflanze bekannt war und von Gelehrten wie Theophrastos von Eresos (~371-~287 v.u.Z.), Pedanios Dioskurides (1. Jh.u.Z.) und Plinius d. Ä. (23-79 u.Z.) erwähnt wurde. Verzehrt wurden sowohl die artenspezifisch gelb, grün oder rot gefärbten Blätter wie deren kräftige Stiele; die Ersteren als spinatartiges, die Letzteren als spargelartiges Gemüse. Inhaltsstoffe der Blätter und Stiele sind Kohlenhydrate, Vitamine (A, C, E, K), Saponine, Aminosäure (Betain), Mineralstoffe (Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen, Phosphor), sowie Oxalsäure, die zur Bildung von Harnsteinen führen kann. Die holzige Wurzel enthält viel Zucker, der durch Auskochen gewonnen werden kann.
Außer als Nahrungsmittel wurde M. Heilpflanze genutzt und innerlich gegen Bronchitis, Lungenentzündung, Darmträgheit und nervöser Reizbarkeit eingenommen, sowie als Saft gegen Ohrenschmerzen eingeträufelt. In der Spätantike kam die beta als Bestandteil der Ration römischer Legionäre nach Mitteleuropa. Dort findet sie früheste Erwähnung im „Capitulare de villis“ Karls d. Gr. (812) und im St. Gallener Klosterplan (820) und wurde zu einem der Hauptnahrungsmittel des MA.