Marienkult

Aus Mittelalter-Lexikon
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Marienkult. Obwohl das NT nur wenig über Maria (hebr. Mirjam), die Mutter Jesu, berichtet, wuchs schon bald ein reicher Legendenkreis um ihre Person – sicher nicht zuletzt aus dem Bedürfnis nach einer weiblichen, speziell mütterlichen Leit- und Trostfigur neben der als männlich-streng gedachten Gottheit. Das ökumenische Konzil von Ephesus (431) begründete mit dem Glaubenssatz von Maria als der Gottesgebärerin (theotokos) das Lehrgebäude der Mariologie. Die Annahmen der immerwährenden Freiheit von der Erbsünde bzw. der ewigen Jungfräulichkeit, der leiblichen Aufnahme in den Himmel und der "Unbefleckten" Empfängnis wurden schon im FMA. vertreten und durch die Scholastik diskutiert (s. Defensorium) und vertieft (jedoch erst in der Neuzeit dogmatisiert). Der Marienkult wurde im FMA. vor allem in Ordensgemeinschaften (s. Zisterzienser) gepflegt. Erst vom 11. Jh. an, vermehrt im 14. und 15. Jh., kam eine breite volkstümliche Marienverehrung auf. Zeichen marianischer Frömmigkeit waren Kirchenzuwidmungen, Angelusläuten (früh, mittags, abends), Marienwallfahrten, Marienfeste (Mariae Geburt, Mariae Heimsuchung, Mariae Verkündigung, Mariae Himmelfahrt, Mariae unbefleckte Empfängnis u.a.), Mariendichtung, bildliche und figürliche Darstellungen, Rosenkranz- und Ave-Maria-Betpraxis u.a.m. (Das "Ave Maria" wurde um 1220 zum allgemeinen Gebet der Christenheit.) Maria wuchs bis zum Ende des MA. eine Stellung weit über allen Heiligen zu, sie rückte in unmittelbare Nähe der Trinität, wurde vielfach neben Christus thronend dargestellt. Viele Marienwunder bezeugten ihre Macht und die Kraft ihrer Fürsprache. Die Faszination Mariens prägte scholastisches Denken, religiöses Empfinden (s. Mystik), Dichtung (s. Mariendichtung, Minne- und Meistersang) und bildende Künste des MA. Im Gegensatz zu den Heiligen, die in bestimmten Nöten um Beistand angefleht wurden, bat man Maria in allen möglichen Angelegenheiten und Situationen um Hilfe, besonders in der Todesstunde.
(s. Maria als Kunstmotiv).