Marsilius von Inghen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Marsilius von Inghen (M. Ingenuus, M. de Novimagio; um 1335 - 96). Wahrscheinlich in oder bei Nijmegen geborener Theologe (Inghen ist wohl ein Familien- und kein Ortsname). Studierte – u.a. als Schüler des Johannes Buridanus – ab 1360 an der Schule in Paris, erlangte den Magistergrad der Artesfakultät und begann 1366 mit dem Studium der Theologie. Zweimal (1367 und 1371) hat er das jeweils auf ein Vierteljahr vergebene Amt des Rektors bekleidet, bevor er 1385 als erster Rektor an die neugegründete Universität von Heidelberg berufen wurde. Zu dieser Zeit zogen viele Studenten, die sich in Paris eingeschrieben hatten, nach Heidelberg; sie hätten als Angehörige des Deutschen Reichs, das sich zu Papst Urban VI., nicht wie Frankreich zu Papst Klemens VII. bekannte, in Paris keine akademischen Grade mehr erwerben können. Weitere Rektorate des Marsilius in Heidelberg fielen in die Jahre 1387 – 1392 und 1396. In dieser Zeit hat er sein lange unterbrochenes Theologiestudium wieder aufgenommen und um 1395 mit dem ersten in Heidelberg vergebenen theologischen Doktorat abgeschlossen. Kurz darauf ist er im Amte des Rektors verstorben.
Seine überlieferten Schriften zu Theologie, Logik und Physik weisen Marsilius als Vertreter von Meinungen aus, die allgemein akzeptiert waren. So schloss er sich in der Theologie – im Gegensatz zu seiner Schule – dem Thomismus an. Als Philosoph war er vor allem durch seinen Lehrer Buridanus geprägt. Wie dieser hat er Aristoteles-Kommentare verfasst. Er entwickelte eine Lehre, derzufolge zwischen logischen und metaphysischen Gottesbeweisen zu unterscheiden sei. Als Physiker stand er in der Tradition von Buridanus, Albert v. Sachsen und Nikolaus v. Oresme. In der ®Mechanik übernahm er den Begriff des impetus, benutzte das Koordinatensystem des Nikolaus v. Oresme und zitierte axiomatisch dessen Fallgesetz.
Werke: „Parva logicalia“, „Sophisma: Homo est bos“, „Tractatus de arte obligandi“, „De caelo“, „Logica vetus“, „Parva naturalia“.