Memleben

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Memleben. Ehemalige Königspfalz und Reichsabtei, gelegen nahe der Unstrut am östlichen Ende der „Goldenen Aue“. Von der Pfalz sind keine Spuren, von den Klosterbauten nur Ruinen erhalten. Erste Erwähnung 775/786, anlässlich der Schenkung einiger Höfe aus dem Pfalzgut in Mimelebo durch Karl d. Gr. an das Kloster Hersfeld. Die Pfalz diente deutschen Königen während des 10. Jh. als häufiger Aufenthaltsort. Hier starben Heinrich I. (936; bestattet in Quedlinburg) und Otto I. (973; bestattet in Magdeburg, viscera in einer Memlebener Marienkirche beigesetzt). Kaiser Otto II. und seine Gattin Theophanu stifteten um 979 das reichsunmittelbare Benediktinerkloster, das von Otto II. und seinem Sohn Otto III. mit Gütern und Regalien (Markt-, Münz- und Zollrechte) reich ausgestattet wurde. Nach 942 entstand die monumentale Marienkirche, eine dreischiffige Basilika mit zwei Querhäusern, die noch in Resten erhalten geblieben ist. Mit 82 m Länge und 39 m Breite gehörte sie zu den größten Kirchenbauten im ottonischen Reich. Kaiser Heinrich II. löste 1015 den Konvent auf und ordnete die Stiftung neu. Memleben verlor seinen Rang als Reichsabtei und wurde – im Tausch für die Ausstattung von Heinrichs neu gegründeten Klosters Bamberg – dem Kloster Hersfeld unterstellt. 1033 weilte als letzter Herrscher Konrad II. in Memleben. 1220/40 – das Kloster war zwischenzeitlich wieder selbständig geworden – entstand östlich der Marienkirche ein neuer Klosterkomplex mit Kirche und Klausur, von denen einige Teile als Ruinen erhalten sind. Die neue Klosterkirche war eine kreuzförmige Basilika mit Chorkrypta, 5/8 polygon geschlossenem Chor, Querhausapsiden und zweitürmigem Westbau.