Minuskel, karolingische

Aus Mittelalter-Lexikon
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Minuskel, karolingische (v. lat. minus = kleiner; auch Carolina, Karolingia). Schrift aus rundförmigen Kleinbuchstaben mit Ober- und Unterlängen, in breitem horizontalen Duktus, welche in vierzeiligen Hilfslinien geschrieben wurde (Vierzeilenschema). Diese Schriftart wurde ab 780 als Hofschrift des Fränkischen Reiches eingeführt und setzte sich um die Mitte des 9. Jh. dank des klerikalen Schreibmonopols bald allgemein durch. Sie sollte die regionalen Unterschiede der in den kaiserl. und kirchl. Kanzleien gepflogenen Schreibweisen beseitigen. Die Buchstaben bauten auf einer mehr als tausendjährigen Schriftgeschichte des röm. Kulturkreises auf, hatte Vorläufer in merowingischen, westgotischen, angelsächsischen, iro-englischen und italienischen Minuskelschriften und wurde als Buchschrift ebenso benutzt wie für Urkunden oder Korrespondenz. Die Karolingische Minuskel gilt als Grundlage der Schriftformen aller europäischen Sprachen. Die Kleinbuchstabenschrift bediente sich bei Bedarf Großbuchstaben anderer Schriftarten, z.B. der Rustica oder der römischen Kapitalis oder man benutzte Versalien (verzierte Großbuchstaben) für größere ®Initialen.
Die ältesten dt. Sprachdenkmäler, das Hildebrandlied (Kloster Fulda, um 800), das Wessobrunner Gebet (Kloster Wessobrunn, um 813), der Heliand (9. Jh.) und die Merseburger Zaubersprüche (um 750) wurden in der Karolina niedergeschrieben.