Mistel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Mistel (mhd. mistel; lat. viscum; botan. hier: Viscum album; volkstüml. Hexenbesen, Winterkraut, Affolter u.a.m.; der lat. Name rührt von viscum = Leim, nach den klebrigen weißen Beeren, aus denen schon in der Antike Leim gewonnen wurde). Artenreiche Gattung von meist immergrünen Schmarotzerpflanzen, die auf Bäumen oder Sträuchern wachsen. Sie spielten schon in der antiken, keltischen und germanischen Mythologie eine bedeutende Rolle. Sie wurde zur Abwehr von bösen Geistern und Hexen in Haus und Stall aufgehängt, Mistelsud galt als heilsam bei Viehkrankheiten, Mistelsalbe sollte gegen angehexte Impotenz helfen, Räucherungen mit Mistel halfen gegen Unglück jeder Art.
In der ma. Kräuterheilkunde stand die seltene Eichenmistel (Viscum quercinum) in dem Ruf, gegen Epilepsie und Schwindelanfälle wirksam zu sein – müsste doch eine Pflanze, die selbst nicht vom Baum fällt, auch den Menschen vor Stürzen und Fallsucht schützen, der einen Mistelzweig bei sich führt oder der Mistelsud getrunken hat. - Hildegard v. Bingen ordnet dem Mistelschleim kalte Qualität zu und nennt ihn als Bestandteil einer Rezeptur gegen „Verhärtung der Leber“.
Dem Arzt Arnald von Villanova wird ein Traktat zugeschrieben, das die Pharamkologie und die magische Wirkung von Eiche und Eichenmistel beschreibt ("Epistula de virtute quercus"). Von diesem Traktat leitet sich ein mhd. Wundertrogen-Traktat her, den ein unbekannter süddeutscher Autor im 14. Jh. verfasst hat; darin wird die Eichenmistel als Heilmittel gegen Krankheiten, auch solche angezauberter Art, und besonders gegen Fallsucht empfohlen.