Notgericht

Aus Mittelalter-Lexikon
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Notgericht (mhd. notgerihte, notdinc, notgeding; mlat. publicum placitum liberorum; in Sachsen: gogericht, in Franken und Thüringen: zentgerihte). In Sachsen, Franken, Thüringen, Bayern und Österreich wurde noch im SMA. der in der Karolingerzeit im ganzen ostfränk. Reich bekannte Rechtsbrauch praktiziert, einen auf ®handhafter Tat ergriffenen Schwerverbrecher – Freier oder Unfreier – durch ein außerordentliches, eilig zusammengerufenes Gericht unter dem Vorsitz eines gewählten Notrichters (im Sachsenspiegel Gograf [gogreve] genannt) sofort zu verurteilen und unter Umgehung des Galgens am nächsten Baum aufzuknüpfen, bzw. zu verstümmeln oder zu brandmarken. Notgerichte traten ferner am Kranken- oder Sterbebett und beim Streit um verderbliche Sachen zusammen. Dem Gericht gehörte die gesamte Gerichtsgemeinde an, die auch gemeinsam den Urteilsvollzug besorgte. (Im Gegensatz zu Notgerichten befasste sich das ®Femgericht nur mit Freien.)