Notker III. von St. Gallen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Notker III. v. St. Gallen (N. Labeo [= N. der Großlippige], auch N. Teutonicus [der Deutsche], um 950 - 1022). Er stammte mit einiger Sicherheit aus einer bedeutenden, bei St. Gallen ansässigen thurgauischen Adelsfamilie, war von hoher monastischer Tugend und großer Gelehrsamkeit. Er wurde Lehrer an der Klosterschule von St. Gallen und übertrug wichtige antike und frühchristliche Unterrichtswerke (Aristoteles, Boethius, Martianus Capella) in das alemannische Ahd., hat dadurch das barbarische Deutsch neben die drei hl. Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein gestellt. Die Schriften und Übertragungen Notkers decken einen breiten Bereich der litarar. Bildung, der Sieben Freien Künste (bes. Arithmetik, Kalenderberechnung, Logik, Astronomie), und der Theologie ab. Der Umfang seines Werks dürfte weit über das Erhaltene hinausgegangen sein. Bei seinen Übertragungen hielt er sich nicht wörtlich an den Originaltext, sondern schuf eine sinngemäße Übersetzung (z.B.: inhabita terram : pue an dero erdo [Einwohner : Diejenigen, die ihren Boden bestellen]). Seine Eindeutschungen sind von hoher sprachschöpferischer Qualität und gelten als wesentlicher Beitrag zur Entwicklung einer deutschen Kultursprache. Seine Technik der Mischprosa, des Vermengens von volkssprachlichen und lat. Wörtern im Satz, fand keine Nachahmer.
Einige seiner Werke: „Computus“, „De arte rhetorica“, „De definitione“, „De musica“, „De silogismis“.