Osterfeuer

Aus Mittelalter-Lexikon
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Osterfeuer. Der uralte Brauch des Frühlingsfeuers, mit dem die steigende Sonne begrüßt und Fruchtbarkeit und reiche Ernte beschworen wurden, wurde im Frankenreich des 8. Jh. auf die Feier des Osterwunders umgemünzt. Wie die lebenspendende Sonne den Winter überwindet, so hatte nach christlichem Verständnis Jesus durch seine Auferstehung den Tod besiegt. Das Feuer wurde am Ostersamstag, zu Beginn der Osternacht-Liturgie (mit Stahl und Stein) vor der Kirche entzündet und vom Priester geweiht. Anschließend wurde an ihm ein Licht entflammt, das man in feierlicher Prozession in das noch dunkle Gotteshaus trug, um die Osterkerze damit zu entzünden. Im Osterfeuer verbrannte man neben Buchen- und Walnussholz auch Haselstecken und Eichenprügel, altes liturgisches Öl, Kerzenstümpfe, Wollbäusche, die der Priester zum Abwischen des liturgischen Chrisams benutzt hatte, zerbrochene Grabkreuze und Totenbretter, vom SMA. an auch Teile von Holzsärgen, die bei Neubestattungen ergraben worden waren. Brennende Stecken und Scheite des Osterfeuers oder glimmende Kohle davon wurden zur Erneuerung des Herdfeuers nach Hause getragen. Asche vom Osterfeuer wurde als Abwehrzauber gegen Blitzschlag und Schadenfeuer sowie als Heilmittel für Brandwunden verwendet.
(s. Frühlingsfeuer, Johannisfeuer)