Papiermühlen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Papiermühlen (mhd. hadermül = Lumpenmühle) werden bereits im 12. Jh. in Katalonien als "Molendinos draperios" (Lumpenmühlen) erwähnt, dürften jedoch erst vom 13. Jh. an, als die Nockenwelle allgemeinbekannt geworden war, als Stampfwerke eingerichtet worden sein. Bei diesen wurde die Rotationsbewegung der nockenbesetzten Antriebswelle in eine auf- und abgehende Bewegung umgewandelt. Die mit Eisennägeln beschlagenen Stampfen wurden durch den Nocken angehoben, und fielen durch ihr Eigengewicht zurück in den mit Eisenplatten ausgekleideten Stampftrog. Später kam der Kollergang auf, bei dem hochkant in einem kreisförmigen Trog umlaufende Mahlsteine das Mahlgut zerquetschten. Die erste arabische Papiermühle in Spanien ist für 1074 in Xativa (San Felipe) bei Valencia belegt, 1102 entstanden unter Roger II. Papiermühlen in Sizilien, Anfang des 13. Jh. nahmen die Papiermacher in Genua und Fabriano (Mark Ancona) die Arbeit auf, um 1260 begann die Papierherstellung auch im christlichen Spanien. In Erfurt soll schon um 1318 eine Papiermühle bestanden haben. Als erste sicher nachgewiesene Papiermühle Deutschlands gilt die Gleismühle des Ulman Stromer an der Pegnitz, nahe Nürnberg. Sie war 1389 von italienischen Papiermachern eingerichtet worden. 1393 wurde Ravensburg zu einem der wichtigsten Standorte deutscher Papierherstellung. 1420 wurde die Papiermacherei in Lübeck, 1445 in Straßburg und Augsburg, und 1476 in Ulm aufgenommen. Um 1450 gab es in Deutschland ca. 10 Standorte von Papiermühlen, fünfzig Jahre später waren es bereits ca. 60.
Papiermühlen fanden sich nicht nur wegen der benötigten Wasserkraft sondern auch wegen des enormen Wasserverbrauchs für die Papierherstellung ausschließlich an Fluss- und Bachläufen. Man schätzt den Wasserverbrauch für ein kg Papier auf 1.000 bis 1.500 l. Die Abwässer der Papiermühlen verschmutzen die Fließgewässer auf drastische Weise, was Proteste der betroffenen Uferanlieger und Fischer auslöste.
(s. Lumpensammler, Papier, Papierherstellung)