Passau

Aus Mittelalter-Lexikon
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Passau. Bayerische Stadt am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz. Hier hatten schon die Kelten im 1. Jh. v. Chr. auf einem Höhenrücken zwischen Donau und Inn das oppidum "Bojodurum" eingerichtet, in deren Nähe um das Jahr 80 n. Chr. die Römer militär. Stützpunkte einrichteten, nach deren einem ("Batavis") die spätere Stadt Passau (Bazzawa, Pazzovwe, Passawe) benannt wurde. Um 450 gründete hier der hl. Severin ein nach ihm benanntes Kloster, an das heute noch die um 900 erbaute St. Severinkirche erinnert. 477 zogen die Römer ab, im 6. Jh. wurde Passau Nebenresidenz der Agilolfinger, 737 richtete Herzog Odilo einen Bischofssitz ein, der 739 von St. Bonifatius bestätigt und zum Mittelpunkt der Awaren- und Böhmenmission bestimmt wurde. 999 kam die weltl. Herrschaft über den Ort an die Bischöfe, die von Friedrich II. 1217 in den Reichsfürstenstand erhoben wurden. 1225 bekam Passau das Stadtrecht verliehen. Die Stadt profitierte vom Handelsverkehr auf der Donau und auf dem "Goldenen Steig", der Salzhandelsstraße vom Alpenrand nach Prag. 1133 löst eine Innbrücke den Fährbetrieb ab, 1278 wird eine Donaubrücke fertiggestellt. Mit zunehmendem Reichtum wuchs das Selbstbewusstsein der Bürger und die Unzufriedenheit mit der Bevormundung durch die Fürstbischöfe. Aus Protest und Aufruhr resultierte indes lediglich der Rückzug der Bischöfe auf die Veste Oberhaus (13. Jh.); die Bürgerschaft bekam im "Bernhardinischen Stadtbrief" (1299) nur marginale Selbstverwaltungsrechte zugestanden.
Die Diözese Passau dehnte sich mit der Christianisierung und Kolonisierung immer weiter nach Osten aus, bezog Wien mit ein und reichte bis an die Flüsse March und Raab. Der Patron des Passauer Doms, St. Stephan, wurde auch zu dem des Wiener Doms gemacht, in seinem Namen wurde der erste König Ungarns getauft. Am Hof des Passauer Bischofs Wolfger von Erla (um 1200), der ein Gönner Walthers von der Vogelweide war, soll das Nibelungenlied entstanden sein. 1476 löste angeblicher Hostienfrevel der Itzstädter Juden ein Pogrom aus. Die Synagoge wurde zerstört; an ihrer Stelle entstand als „Sühne“ die Salvatorkirche.
Zu den Überresten ma. Bauten gehören: die Veste Oberhaus (ab 1219 gegen eine aufbegehrende Bürgerschaft errichtet), die Veste Niederhaus (erbaut vor 1255; heutiger Baubestand aus der Zeit nach 1435), Teile der ma. Stadtbefestigung („Bürgermeisterzwinger“, „Schaiblingsturm“), der Dom St. Stephan (auf das 8. Jh. zurückgehend; heutiger Bau im Wesentlichen aus dem 17. – 19. Jh.; nur Ostchor und Querschiff aus dem 15. Jh. erhalten), die Spitalkirche St. Johannes (zweischiffige Hallenkirche, 14. Jh.), die Friedhofskirche St. Severin (erstmals erwähnt 1143; einschiffiger Bau, desen Geschichte in die Römerzeit zurückreicht), die Pfarrkirche St. Nikola (dreischiffige Hallenkirche, fertiggestellt 1420), das Kloster Niedernburg (um 750 als Kanonissenstift gegründet, später Benediktinerinnen-Abtei; heutiger Baubestand überwiegend aus dem 14. Jh.; Hochgrab der sel. Gisela in der Klosterkirche Heilig-Kreuz) und die Hofapotheke (erstmals urkundlich belegt 1384).