Pergamentformat

Aus Mittelalter-Lexikon
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Pergamentformat, Paginierung und Schriftspiegel. Die Größe der Pergamentdoppelseiten (lat. folio) war durch die Größe der Tierhäute begrenzt und richtete sich nach der Zweckbestimmung des Buches; waren etwa Prachtbibeln auf dem größtmöglichen Format von etwa 50 x 35 cm geschrieben, so wurden für weniger repräsentative Werke die Häute auf die Hälfte, ein Viertel, ein Achtel, ein Zwölftel oder ein Sechzehntel gefaltet. Eine Ausnahme bildet der "Codex Gigas" (frühes 13. Jh.) mit einer Blattgröße von 89,3 x 49cm. Taschenbibeln des 13. Jh. hatten ein Format von ca. 14,5 x 10 cm. Die überwiegende Anzahl von Büchern war auf mittlerem Format geschrieben. Höhe und Breite eines Blattes standen zueinander im Verhältnis 5 : 4.
Seit dem 12. Jh. wurden die Blätter (bestehend aus zwei Seiten) durchnummeriert. Dabei bekam nur jeweils die im aufgeschlagenen Buch rechte Seite ("recto", Kürzel "r") eine Folionummer; die Rückseite ("verso", Kürzel "v") bekam dieselbe Nummer. Im 13. Jh. kam neben der dargestellten Paginierung auch die heute übliche, fortlaufend steigende Seitenzählung auf. Für die künstlerische Gestaltung der Seiten war die Festlegung des Schriftspiegels (Breite der Ränder, Anzahl der Spalten, Größe der Schrift, Zeilenabstand) von wesentlicher Bedeutung. Bei hochrechteckigem Format wählte man üblicherweise die Höhe des Schriftraumes so, dass sie der Breite der Seite entsprach. Wenn Höhe und Breite der Seite zueinander im Verhältnis 5 : 4 standen, betrugen unterer und äußerer Rand ein Fünftel der Blatthöhe, der obere zwei Drittel des unteren Randes. Der Innenrand war mit zwei Drittel des Oberrandes noch schmäler. Der Binnenabstand zwischen zwei Spalten sollte so groß sein wie der Innenrand. Das Rechteck des Schriftfeldes wurde durch Nadelstiche in den Eckpunkten von einer Doppelseite auf die folgendem übertragen.