Petrus Lombardus

Aus Mittelalter-Lexikon
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Petrus Lombardus (P. Parisiensis; um 1100 - 1160; "Magister sententiarum"). Gebürtig aus Novara in der Lombardei, studierte in Bologna, Reims und endlich in Paris, wo Peter Abaelard sein Lehrer war. Ab 1140 war er selbst Lehrer an der Pariser Domschule, wurde zwischen 1147 und 1150 zum Priester geweiht und gelangte kurz vor seinem Tod in das Amt des Bischofs von Paris.
In seinem Wirken vereinigten sich Bologneser Rechtsgelehrsamkeit, Abaelardsche Dialektik und die Frömmigkeit Bernhards von Clairvaux. Ruhm erwarb er durch seine theologischen Schriften, die wegen ihrer Klarheit und konzentrierten Form zur Standardlektüre der Scholastik wurden.
Seine vierbändige kompilatorische "Summa Sententiarum" (um 1150, beeinflusst von Abaelard und Hugo von St. Victor) behandelt in Band I. Gottesbeweise, Trinität und Menschwerdung, in Band II. das Schöpfungswerk und die Erbsünde, in Band III. die Sündhaftigkeit und Erlösungsbedürftigkeit des Menschen und in Band IV. Sakramente, Auferstehung der Toten, Jüngstes Gericht, ewige Seligkeit und Verdammnis. Die "Sentenzen" wurden zum wichtigsten theologischen Lehrbuch des HMA. und SMA. Alexander von Hales hat als erster die "Sentenzen" neben der Bibel zum Unterricht verwendet. Petrus machte seine Schüler auch mit den Schriften Gratians (s. Decretum Gratiani) bekannt, den er als Begründer des kanonischen Rechts ansah.
Große ma. Theologen wie Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Bonaventura und Duns Scotus verfassten Sentenzen-Kommentare, welche sämtliche Aspekte der scholastischen Theologie abdeckten.
Weitere Werke: „De coniugo“, „De corpore Christi“, „De incarnatione“, „De processione filii et spiritus sancti“ ; „Sermo de adventu Domini“.