Pilgerliteratur

Aus Mittelalter-Lexikon
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Pilgerliteratur, Pilgerführer. Gebildete Pilger verfassten schon im 7. Jh. aufgrund eigener Erfahrungen und anhand der Berichte Dritter Wegeführer (s. Itinerar) und Ortsbeschreibungen. Letztere handelten von Wallfahrtszielen, deren Heiligtümern, Herbergen, Gaststätten und Bädern. Die praktischen Hinweise sind meist mit Legenden, Wunderberichten und Anekdoten angereichert. Beispiele: der „Breviarius de Hierosolyma“ (um 550); der „Liber de locis sanctis“ des angelsächsischen Theologen Beda Venerabilis (um 673-735; Beda hat sein Kloster kaum jemals verlassen); der Pilgerbericht des Hl. Willibald, enthalten in dessen Lebensgeschichte, über eine Reise von Rom ins Hl. Land in den Jahren 723 - 727; der um 1150 erschienene Führer für die Heiligtümer Roms „Mirabilia urbis Romae“; der um die gleiche Zeit entstandene ®„Liber Sancti Jacobi“; das "Libellus de locis sanctis" des Theoderich v. Chartres (12. Jh.); der „Liber Peregrinationis“ des Dominikaners Ricoldus de Monte Crucis (13. Jh.); die „Descriptio Terrae Sanctae“ Burchards von Monte Sion (13. Jh.); die Beschreibung der Wege nach Rom, die Albert, Abt des Klosters von Stade (bei Hamburg) in seiner Weltchronik gibt.
Sma. Pilgerliteratur wurde häufig in den Volkssprachen verfasst, so die „Pilgerreise“ des Grafen von Katzenellenbogen (1434); die „Beschreibung der Reyß ins Heylig Land“ von Hans Tucher (1482); „Die heyligen reyssen gen Jherusalem“ des Mainzer Domherren ®Bernhard v. Breydenbach (1486; mit einem deutsch-arabischen Wörterverzeichnis); „Die walfart und straß zu sant Jacob“ (mit Wegebeschreibung und praktischen Hinweisen; 1495) des Servitenmönches ®Hermann Künig von Vach aus dem Kloster Vacha (a. d. Werra). Als letztes sei der Reisebericht des Nürnberger Stadtarztes Hieronymus Münzer erwähnt, der eine Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela im Jahre 1494 beschreibt. In lat. Sprache handelt er von Straßen, Orten und Baulichkeiten, von Land und Leuten, Begebnissen und Verhaltensweisen.
Die Pilgerführer änderten im Lauf der Zeit ihren Charakter: die Schilderung der heiligen Stätten wurde mehr und mehr von Erzählungen über eigene Erlebnisse, über Land und Leute, über fremdartige Tiere und Pflanzen, über allerlei Kurioses und Exotisches überwuchert. Dabei haben die Verfasser fleißig voneinander abgeschrieben und sich - der höheren Glaubwürdigkeit halber - auf ältere Werke und Autoritäten berufen.