Pommern

Aus Mittelalter-Lexikon
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Pommern. In die Ostseeländer zwischen Weichsel und Oder wanderten nach dem Abzug der dort ansässigen german. Stämme (Vandalen) im 5./6. Jh. Slawen ein, die sich später „Po morjane“ („die am Meer Wohnenden“; latinisiert Pomerani) nannten. Sie gaben dem Land den Namen „po more“ (Land am Meer). Die Südgrenze des pomoranischen Siedlungslandes bildeten Netze und Warthe, welche ®Pomoranen und Polen trennten. Der Hauptteil der Bevölkerung lebte in einem etwa 40 km breiten Streifen an der Ostseeküste und längs der Oder, der größte Landesteil war von menschenleeren Wäldern bedeckt. Im ersten Viertel des 12. Jh. entstand unter dem Druck polnischer Expansionsbestrebungen das pommersche Herzogtum. Herzog Wartislaw I., dem nach Norden drängenden poln. Herzog Boleslaw III. nicht gewachsen, musste die Lehnshoheit Polens anerkennen, Tribut und Waffenhilfe zusagen und der Christianisierung seiner Untertanen zustimmen. Als die Christianisierung keine Fortschritte machte, wandte sich Boleslaw 1123 an den missionserfahrenen Bamberger Bischof Otto. Otto weilte von Juni 1124 bis Februar 1125 in Pommern und taufte während dieser Zeit 20.000 Seelen. Doch war dem Bekehrungswerk nur oberflächliche Wirkung beschieden, das Christentum war stets von Rückfällen bedroht. 1124/25 konnte Wartislaw I. seinen Machtbereich nach Westen, tief ins Gebiet der Lutizen ausdehnen. Für die neuerworbenen Gebiete musste er die Oberhoheit des dt. Königs anerkennen. Die Gebietserwerbungen und religiöse Reaktion machten 1128 eine erneute Misssionsreise Ottos erforderlich. Diese war und blieb erfolgreich, wenngleich der Klerus fast ausschließlich aus Deutschen bestand. Nach dem Tod Herzog Boleslaws III. 1138 erlosch die poln. Oberhoheit über Pommern. 1140 wurde Egilbert, der Nachfolger Ottos von Bamberg, zum ersten Bischof der Diözese Pommern geweiht. Bischofssitz wurde Wollin. Kriegerische Auseinandersetzungen mit Herzog Heinrich d. Löwen endeten 1164 mit der Unterwerfung der Pommernherzöge. Nachdem Heinrich d. Löwe bei Kaiser Friedrich I. in Ungnade gefallen war, gelangte das Herzogtum unter Herzog Bogislaw I. 1181 in direkte kaiserliche Lehnsabhängigkeit. Jedoch schon vier Jahre später geriet Pommern nach einer verlorenen Seeschlacht in die Tributpflicht König Knuts VI. von Dänemark. Kaiser Friedrich I. hatte seine italienischen Interessen denen in Pommern vorgezogen. 1175 kam der Bischofssitz nach Cammin. 1188 beurkundete Papst Clemens III. die Exemtion des Camminer Bistums. Ohne erkennbare Notwendigkeit übertließ 1216 der junge Kaiser Friedrich II. das Herzogtum Pommern dem dänischen König Waldemar II. Erst nach der Schlacht von Bornhöved gab der Dänenkönig seinen Anspruch auf Pommern auf. Die Selbständigkeit der pommerschen Herzöge endete 1231, als Kaiser Friedrich II. sie zu Aftervasallen der Markgrafen von Brandenburg machte. In den folgenden Jahren wurde das Leben im „Ducatus Pomeraniae“ infolge der dt. Ostkolonisation zunehmend vom Deutschtum bestimmt. In der Haupteinwanderungszeit – also bis etwa 1278 - entstanden 32 Städte, etwa 22 weitere Orte erlangten bis 1400 Stadtrecht. Unter der Einflussnahme rivalisierender Parteien (u.a. Mark Brandenburg, Wittelsbach, Deutscher Orden, Polen, die Camminer Bischöfe) kam es zu mehreren Landesteilungen, zu dynastischer Zersplitterung und zum Rückgang der herzoglichen Macht. Erst mit dem tatkräftigen Bogislaw X. (gest. 1523) herrschte ab 1478 wieder ein pommerscher Herzog über ganz Pommern, das sich nunmehr vor der Recknitz bis zum Zarnowitzersee erstreckte. 1456 war die Universität Greifswald gegründet worden, 1487 wurde Stettin Residenzstadt.