Portulankarten

Aus Mittelalter-Lexikon
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Portulankarten (Portulane; aus d. Ital.; im 13. Jh. aus den portolanos [Lotsenhandbücher] hervorgegangen; auch Rumben- oder Windstrahlenkarten). Die Seekarten des späten 13. Jh. stellen die Welt nicht mehr als idealisierte Ökumene dar, sondern streben nach praktischer Verwendbarkeit. Sie verbinden exakte Küstendarstellung und Angaben charakteristischer Merkmale sowie nautisch-technischer Gegebenheiten (Wassertiefen, Strömungen, Gezeiten, Klippen usf.) mit einem aus den Windrichtungen konstruierten Linien- oder Rumbennetz. Das Netz wird gebildet von 16 ®"Rumbenlinien", die vom Mittelpunkt eines Kreises sternförmig im Abstand von jeweils 22° 30' ausgehen, und an den Schnittpunkten mit der Kreislinie 16 Knotenpunkte festlegen. Von diesen Knotenpunkten strahlen wiederum jeweils 9 gegeneinander um 11° 15' versetzte Windstrahlen einer Viertel-Windrose (90°) so in das Kreisinnere, dass der 5. Strahl auf das Zentrum gerichtet ist. Da die Karten genordet sind, stellen die Vertikalen die Meridianlinien, die Horizontalen die Parallelkreise dar. Dadurch bildet sich ein Netz von Referenzlinien, in das die Küstenlinien der betreffenden Seeregion eingezeichnet werden. Anhand dieses Netzes lässt sich die Richtung bestimmen, die ein Schiff auf seiner Fahrt einschlagen muss. Als Navigationshilfsmittel wurden Jakobsstab, Kompass und Sanduhr benötigt. Portulankarten sind seit 1270 nachzuweisen und wurden von den Navigatoren ständig verbessert und ergänzt. (Beispiel: die "Pisaner Karte" vom Ende des 13. Jh. Die Konstruktion des Liniennetzes demonstriert eine Zeichnung des Petrus Vesconte, um 1300.)
Von ihren Urhebern, den Italienern der toskanischen Küste, gelangte die Kunst der Portulankarten-Fertigung nach Genua, Mallorca, Katalanien und Venedig. Besonders in Palma bestanden enge Kontakte zu jüd. und arab. Gelehrten, über welche die Portulan-Kartographie in den arab. Raum einging. Nach den Portulankarten für das Mittelmeer und das Schwarze Meer entstanden auch solche für die Gewässer und Küsten West- und Nordeuropas.