Prädestinationslehre

Aus Mittelalter-Lexikon
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Prädestinationslehre (v. lat. praedestinatio = Vorbestimmtheit). Ein Lehrsatz der kath. Kirche besagt, dass Gott schon bei der Schöpfung jedem Menschen sein Schicksal, sei es ewige Verdammnis in der Hölle oder ewige Gnade im Paradies, vorbestimmt habe. So seien alle Nichtchristen wegen ihres Unglaubens und die allermeisten Christen wegen ihrer Sünden zur ewigen Höllenpein verdammt. Der Satz „viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt“ geht zurück auf den hl. Augustinus: „ ... Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.“ Und dieser Satz ist ein Zitat aus Paulus, Römerbrief 8, 29 - 30: "Denn alle, die er im voraus ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, gleichgestaltet zu sein dem Bilde seines Sohnes teilzuhaben ... Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; und die er berufen hat, die hat er auch gerechtgesprochen; die er aber gerechtgesprochen hat, denen hat er auch die himmlische Herrlichkeit geschenkt."
Dinzelbacher zitiert einen Ketzer vor dem Inquisitionsgericht (Frankreich, 13. Jh.) wie folgt: „Wenn er je einen Gott vor sich hätte, der aus tausend von ihm geschaffenen Menschen nur einen errettet und alle anderen verdammt, so würde er ihn mit Klauen und Zähnen zerreißen und zerfetzen ...“
Der Widerspruch zwischen der Lehre von der Allwissenheit, Allmacht und Allgüte Gottes und der Behauptung, dass dieser fast alle Menschen zu Verdammnis vorherbestimmt habe, stürzte viele Intellektuelle (zumeist Geistliche) in Zweifel und konnte sie sie vor die Schranken der Inquisition bringen.