Raute

Aus Mittelalter-Lexikon
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Raute (Edel-, Weinraute, Gertruden-, Gnaden-, Totenkraut; mhd. rute; lat. ruta; botan. Ruta graveolens, R. hortensis). Aus dem Mittelmeerraum stammende staudenartige, ausdauernde Arznei-, Zauber- und Küchenpflanze von stark aromatischem Geruch (lat. graveolens = stark riechend; Ursache: ätherische Öle). Sie wird ca. 40 cm hoch und trägt von Juni bis September leuchtend gelbe Blüten. Geerntet wird sie während ihrer vollen Blüte im Mai/Juni.
Die Raute war in der röm. Antike als Würzkraut und als vielseitig verwendbare Heilpflanze sowie als Gegenmittel gegen pflanzliche und tierische Gifte bekannt, und wurde von Mönchen in die Klostergärten nördlich der Alpen gebracht. Verwendet wurden die oberirdischen Pflanzenteile.
Der Macer floridus qualifiziert sie als wärmend und trocknend im dritten Grad und rühmt sie als heilsam bei Magenbeschwerden, als geburtsbeschleunigend, hustenstillend, ordnend für den Monatsfluss und zähmend für die Liebesgier. Ferner als lindernd für das Bauchgrimmen, für Lungen und Brustschmerzen (Rippenfellentzündung), für gichtige Beschwerden, für Wassersucht und Fieber. „Mit Öl gekocht treibt sie die Spulwürmer hinaus“. Rezepturen mit Raute werden empfohlen gegen trübe Augen, Kopf- und Ohrenschmerz, Nasenbluten, Krätze und Antoniusfeuer (Brotseuche), gegen Gebärmuttergeschwülste und Vergiftungen (Spruch aus einer Schola Salernitana: "Salvia cum ruta/Faciunt tibi pocula tuta".
Hildegard v. Bingen verordnet eine Kompresse mit Rautensaft, Honig, reinem, guten Wein und Weißbrot gegen schwarz verschattete, schmerzende Augen, mit denen man „irgenwie schlecht sehen kann“. Bei Nierenschmerzen rät sie zu Einreibungen mit einer Salbe aus Bärenfett und gleichen Teilen von Raute und Wermut.
In der Volksmedizin fand Raute als Mittel zur Geburtsbeschleunigung und als Abortivum Verwendung („Frauenkraut“; die Wirkung rührt von dem Inhaltsstoff Cumarin).
Im ma. Aberglauben galt die Raute nach antikem Vorbild und aufgrund ihres aromatischen Geruchs als Abwehrmittel gegen Dämonen, Hexen und deren Schadenszauber. Daneben benutzte man sie als Mittel, um die Liebe einer Frau zu gewinnen.
Die Blätter fanden wegen ihres bitteren Geschmacks – beruhend auf dem Glykosid Rutin – als Würze zu Wild, Fisch, Salat u.a. Verwendung. Wegen ihres intesnsiven Geruchs wirkten sie abwehrend auf allerlei Ungeziefer (Ameisen, Schnecken), deswegen wurden Rautenzweige büschelweise in Speisekammern und Küchen aufgehängt.