Regiomontanus

Aus Mittelalter-Lexikon
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Regiomontanus (eigtl. Johannes Müller, latinisiert Johannes Molitor, später nach seinem Geburtsort Königsberg in Franken Johannes Regiomontanus; 1436 - 76). Sohn eines Königsberger Mühlenbesitzers, begann 1447/48 in Leipzig sein Studium, das er 1457 in Wien mit dem Magisterium abschloss. Nach dem Tod seines Freundes und Lehrers ®Peuerbach führte er dessen astronomisches Werk "Epitoma in Almagestu Ptolemei" zu Ende. Nach Lehrtätigkeit in Wien, Rom, Padua und Preßburg ließ er sich 1471 in Nürnberg nieder. Er vermaß als erster in Europa die Bahn eines Kometen (der später "Halley'scher" Komet genannt wird), er konstruierte und fertigte astronomische Präzisionsinstrumente, verfasste zusammen mit Georg von Peurbach die Nürnberger "Ephemerides astronomicae" für die Jahre 1475 bis 1506 (eine Aktualisierung der astronomischen Tafeln des Ptolemäus). Diese waren ein unentbehrliches Hilfsmittel für die Navigation und wurden u.a. auch von Chr. Columbus benutzt. Zu seinem umfassenden Werk gehörten u.a. Studien zur ebenen und sphärischen Trigonometrie ("De triangulis omnimodis libri quinque"), zur Zahlentheorie, zum Dezimalbruch und zu höheren mathematischen Gleichungen. 1471 entstand in Nürnberg unter seiner Leitung die erste Sternwarte im christl. Abendland; sie wurde von dem Nürnberger Patrizier Bernhard Walther finanziert. (Sternwarten der Zeit besaßen noch keine linsenoptischen Geräte. Ihr wichtigstes Beobachtungsinstrument war ein auf gemauertem Sockel aufgestellter, überdimensionaler ®Quadrant. Ein weiteres Hilfsmittel dürfte die ®Armillarsphäre gewesen sein, mit deren Hilfe die äquinoktialen und ekliptischen Koordinaten dargestellt wurden.)
Von Papst Sixtus IV. zur Mitarbeit an der Kalenderreform nach Rom gerufen, verstarb Regiomontanus dort im Alter von 40 Jahren. Seine letzte Ruhestätte findet sich auf dem Campo Santo Teutonico.
Regiomontan neigte im Geiste des Frühhumanismus der Wiederbelebung antiken Wissens und Denkens zu und zählt zu den Wegbereitern neuzeitlicher Naturwissenschaften.