Reichsklöster

Aus Mittelalter-Lexikon
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Reichsklöster. Bereits im merowingischen und karolingischen FMA. wurden herausragende Benediktinerklöster mit Land und Leuten ausgestattet, aus der Zuständigkeit der jeweiligen Grafschaft herausgelöst und dem unmittelbaren Königsschutz unterstellt. Im Rahmen der ihnen zugestandenen ®Immunität genossen sie weitgehende Abgabenfreiheit und eine beschränkte Eigengerichtlichkeit. Sie unterstanden dem königl. Eigenkirchenrecht ("königliche Eigenklöster"), waren zu Gebetsleistung für König und Reich, zur Gastung des Königs, ihre Äbte ("Reichsäbte") zu Rat und Waffenhilfe verpflichtet. Um die materiellen Voraussetzungen für die Beherbergung des Königs und seines Gefolges erbringen zu können, waren Reichsklöster mit Rechten, Land, Leuten und gewerblichen Einrichtungen ausgestattet wie ®Königshöfe.
Eine wichtige Rolle spielten die Reichsklöster im ®Ottonischen Reichskirchensystem, das die gefürsteten Reichsäbte mit ihrer Macht zu verlässlichen Vasallen des Königs machte. Reichsäbte waren zur Teilnahme am Hoftag, später zu der am Reichstag verpflichtet. Reichsabteien waren als prestigeträchtige, mit vielen Privilegien (u.a. Immunität, Markt-, Münz- und Zollrechten) ausgestattete Objekte hochbegehrt, und so boten die um die Abtswürde Konkurrierenden bedeutende Werte auf, um bei der Auswahl zum Zuge zu kommen. Auch bei freier Abtswahl war die letzte Entscheidung dem König vorbehalten.
Benediktinische Reichsklöster waren u.a. Fulda, St. Gallen, Lorsch und Hersfeld. Seltener erlangten Klöster der Zisterzienser und der Prämonstratenser den Stand eines Reichsklosters, darunter Ebrach und Salem.
(s. servitia regis)