Reisesegen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Reisesegen. Wo jemand zu einer Pilgerfahrt, einem Heerzug oder einer Handelsreise zu Land oder See rüstete, suchte er Leib und Seele gegen die vielfältigen Gefährdungen zu versichern, die unterwegs drohten (s. Abschied). Eigens zu diesem Zweck waren Segensformeln für Reisende verfasst worden, mit denen der Beistand des barmherzigen Gottes oder der Heiligen Drei Könige, St. Gertruds, St. Josephs und St. Martins – der Patrone der Reisenden – erfleht wurde. Jeweils besondere Segenssprüche gab es für Kreuzfahrer von Adel (s. Johannessegen) und für Pilger aus dem gemeinen Volk, für das Schwert und für den Pilgerstab.
Als Beispiel der „Weingartner Reisesegen“ (12. Jh.):

Ic dir nach sihe – ic dir nach sendi
mit minen funf fingirin funvi undi funfzic engili.
Got mit gisundi heim dich gisendi.
offin si dir diz sigidor, sami si dir diz segildor.
bislozin si dir diz wagidor, sami si dir diz wafindor.

Ich sehe dir nach, ich sende dir nach
mit meinen fünf Fingern fünfundfünfzig Engel.
Gott möge dich gesund heimsenden.
Offen sei dir das Tor des Sieges und auch das Tor der günstigen Segelwinde
verschlossen sei dir das Wogentor und auch das Tor der Waffen.