Reval

Aus Mittelalter-Lexikon
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Reval (estn. seit 1918 Tallinn; der deutsche Name ist von der estn. Landschaft Revele hergeleitet). Hauptstadt von ®Estland (Ehsten). An einer Bucht am finnischen Meerbusen bestand eine Siedlung, die 1154 als Lindanissa erstmals erwähnt ist, uns zwar von dem arabischen Kartografen Al-Idrisi. 1219 wurde der Ort durch Waldemar II. von Dänemark erobert, woher der neue Name Taani linn (estn., = Dänenstadt) rührt. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand, nachdem die Gegend 1227 vom ®Schwertbrüderorden erobert worden war, eine Siedlung deutscher Kaufleute aus Gotland. Diese bekam 1230 lübisches Stadtrecht und trat 1285 der Hanse bei. Unter der Vorherrschaft der Deutschen wurde auch die christl. Missionierung vollendet, der bis dahin kein durchschlagender Erfolg beschieden war. Ein letzter Aufstand des estn. Bevölkerungsteils (1343) wurde blutig niedergeschlagen. Nachdem der Schwertbrüderorden im Deutschritterorden aufgegangen war, kam die Stadt 1346 unter das Regiment des Ordensstaates. Reval wurde einer der Haupthäfen für den Russlandhandel. (1561 kam Reval mit Estland an Schweden, 1710 an Russland.)
An ma. Bauten sind zu erwähnen: das komplette ma. Stadtzentrum der Welt (seit 1997 UNESCO-Welterbe), die Burg (1227 angelegt, später mehrfach umgebaut; mit Bergfried „Langer Hermann“ von 1377); der spätgot. Dom (13./14. Jh.); die St.-Nikolai-Kirche (13./14. Jh; Wiederaufbau nach Zerstörung im II. Weltkrieg); die Olai-Kirche (13. – 15. Jh.); die Heilig-Geist-Kirche (15. Jh.); das Rathaus (1404 vollendet); die fast 2 km lange Stadtmauer mit 28 Türmen (davon 17 in ursprünglicher Gestalt).