Riesen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Riesen (die; mhd. risen; mlat. monstra). Riesen begegnen uns in Märchen, Sagen, Legenden und Romanen des MA. in zweifacher Gestalt: Einmal als übergroße und –starke Recken, zum andern als monströse Dämonen. Erstere waren eindeutig dem Menschengeschlecht, letztere den ®Ungeheuern zuzurechnen. Zu den berserkerhaften Helden (Hünen) zählten Goliath und Nimrod aus dem Alten Testament, der griechische Herkules, der bekehrte und zum Heiligen avancierte Christophorus oder der Riese Grim aus der Dietrichsage. Als Riesen des Dämonenreichs galten Wald- und Bergriesen, der Wilde Jäger, der Berggeist Rübezahl (v. mhd. ribe [= dirne] und zagel [= Schwanz]).
Gelegentliche Funde von Mammutknochen (z.B. 1443 bei Ausschachtungsarbeiten am Wiener Stephansdom) oder von Megalithen oder Dolmen (wie sie auch in Mittel- und Oberdeutschland vorkommen) deutete man als Belege für die Historizität von Riesen („Hünengräber“). Wo in wilder Landschaft Nebel wallten, brauten Riesen Bier oder buken ihr Brot. Wenn im Unwetter Bäume krachend stürzten, trieben Sturmriesen ihr Spiel. Große Findlingsblöcke mussten durch einen Riesenwurf an ihren Platz gelangt sein.