Ringfinger

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ringfinger (mhd. vingerler, goltfinger, lachenaere {= Zauberer}, der ungenannte Finger; spmhd reyf-finge; frnhd. lachner; lat. digitus annularis, dig. medicinalis). Der vierte Finger der Hand, zwischen Mittel- und kleinem Finger, wird so genannt, weil an ihm üblicherweise der Ehering getragen wurde; dies aufgrund der Annahme, dass von ihm eine Ader oder ein Nerv direkt zum Herzen gehe („Herzfinger“), er also mit dem Zentrum des Lebens und der Liebe eng verbunden sei. Diese Verbindung werde durch das edle Metall des Rings verstärkt und bewirke allgemeine Stärkung und Abwehrbereitschaft („Gold-“, „Arztfinger“).
Im ma. Aberglauben hatten der Ringfingern und die an ihm getragenen Fingerringe vielfältige Bedeutung und Wirkung. So schützte z.B. ein am Ringfinger getragener Ring aus Sargnägeln vor Schmerzen, Fallsucht und Schlaganfall. - Der Arzt und Schriftsteller Dr. Johann Hartlieb (15. Jh.) beschrieb ein Orakel, demzufolge das Lebensglück eines Menschen von der relativen Länge seines Ringfingers abhing: das Glück eines Menschen sei umso geringer, wenn „der clain vinger das oberglid des goltfingers nit rür, derselb mensch sol so gar unglückhaftig sein“ - und umgekehrt: je weiter die Spitze des kleinen Fingers am Oberglied des Ringfingers hinaufrage, desto größeres Glück sei zu erwarten.