Sängerkrieg auf der Wartburg

Aus Mittelalter-Lexikon
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Sängerkrieg auf der Wartburg (Wartburgkrieg). Im 13. Jh. zusammengetragenes Konglomerat mhd. Sangsprüche (s. Spruchdichtung) um einen fiktiven Dichterwettstreit, der um 1206 am Hofe des Landgrafen Hermann I. auf der Wartburg bei Eisenach in Thüringen stattgefunden haben soll.
Der erste Teil entstand um 1260/70 und handelt von einem poetischen Wettkampf, bei dem sieben Meister der klassischen Zeit (darunter Heinrich von Ofterdingen, Walther von der Vogelweide, Reinmar von Zweter und Wolfram von Eschenbach) mit ihnen in den Mund gelegten Sprüchen um den besten Fürstenpreis auf Leben und Tod wetteifern. Heinrich von Ofterdingen, der nicht wie die übrigen das Lob des Landgrafen, sondern das des Herzogs Leopold von Österreich singt, unterliegt und soll dafür hingerichtet werden. In seiner Not ruft Heinrich den Zauberer Klingsor aus Ungarland als Schiedsrichter zur Hilfe. (Die Figur des Klingsor/Clinschor ist dem „Parzival“ Wolframs entnommen.) Es folgt der Rätselkampf, in dem der Zauberer Klingsor die Rätsel stellt und Wolfram sie auflöst. Die Auseinandersetzung endet ohne eindeutiges Ergebnis, obwohl Klingsor den Teufel Nasion zu Hilfe holte. Dieser versucht Wolfram durch astrologische Wissensfragen als Unwissenden bloßzustellen, wird aber von dem frommen Dichter durch das Kreuzeszeichen überwunden.
Eine fertige, endgültige Fassung des Sängerkriegs hat es nie gegeben. An dem Wirk wird bis ins 15. Jh. fortgedichtet. Überliefert sind Bearbeitungen in der Jenaer und der Colmarer Liederhandschrift sowie in der Großen Heidelberger LHS. In der Jenaer LHS. ist eine Totenklage auf zwei Fürsten angefügt. (Wohl auf Boppo VII. von Henneberg und den thüringischen Landgrafen Heinrich Raspe gemünzt, die 1245 bzw. 1247 gestorben waren.) Einen weiteren Zusatz stellt das Gedicht von "Autons Pfennig" dar, das gegen den Verkauf von Gnadenmitteln durch die Kirche polemisiert.