Salbei

Aus Mittelalter-Lexikon
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Salbei (Garten-Salbei, Echter S.; mhd. salbeie, salveie; mlat. salvegia; lat. salvia, zu salvus = unversehrt, gesund und salvare = heilen; botan. Salvia officinalis). Stark duftende, strauchartige, immergrüne Pflanze aus der Familie der Lippenblütler, beheimatet im Mittelmeergebiet, mit grünlich-grauen, samtigen, runzeligen Blättern und violetten Blüten. Wirkstoffe sind die in den Blättern enthaltenen ätherischen Öle, Gerb- und Bitterstoffe sowie Flavonoide und Mineralstoffe.
Schon in der Antike war die Pflanze als vielseitiges Heilmittel bekannt, als Würzpflanze lernte man sie erst im MA. schätzen. Dioskurides (1. Jh.) rühmt ihre blutstillenden, wundheilenden, harntreibenden und menstruationsfördernden Kräfte. Plinius empfiehlt ihn als Mittel gegen Müdigkeit. Mit der Klostermedizin kam die Pflanze etwa im 7./8. Jh. in die Länder nördlich der Alpen. Karl d. Gr. befahl ihren Anbau in den Kräutergärten seiner Hofgüter. Nach dem St. Gallener Klosterplan fand sie sich auch im dortigen Heilkräutergarten. Ausführlich wird sie im botanischen Lehrbuch „Liber de cultura hortorum“ des Walafrid Strabo (9. Jh.) beschrieben; als Heilanzeigen finden sich dort Husten, Magenschmerzen, Verdauungsstörungen, schlecht heilende Geschwüre sowie Fallsucht und Schwindel. In der Folgezeit wird Salbei in allen ma. Herbarien und Rezeptarien an prominenter Stelle beschrieben. So auch in dem lat. Lehrgedicht „Regimen sanitatis salernitanum“ (12. Jh.), wo sich der rühmende Satz findet: „Cur moriatur homo, cui salvia crescit in hortis?“/„Warum stirbt denn überhaupt der Mensch, dem Salbei im Garten wächst?“. - Das Kräuterbuch „Macer floridus“ (entstanden zwischen ~840 und ~1100) stellt fest: „Der Salbei ... nützt, wenn man ihn mit Met genießt, den Beschwerden der Leber, treibt die Leibesfrucht ab, erregt den Harn und sorgt für ordentlichen Monatsfluss. Gestampft und aufgelegt heilt er giftige Bisse und hemmt den Blutfluss aus frischen Wunden.“ Ferner sei er heilsam bei Husten, Rippenfellschmerz sowie bei Jucken der weiblichen Scham und des männlichen Gliedes (Genitalmykose). – Hildgard von Bingen schreibt in ihrer „Physica“: „Der Salbei ist von warmer und trockener Natur ... er ist nützlich gegen die kranken Säfte ...“ Eine Mischung aus Salbei, Majoran, Fenchel und Andorn empfiehlt sie gegen „Kopfschmerz durch Verqualmung des Magens“. Auch gegen Leibschmerz (Kolik), „der durch üblen, vom Magen ausgehenden Rauch entsteht“, verschreibt sie eine Kräutermischung mit Salbei.
In der ma. Volksmedizin gab man Salbeiblätter u.a. gegen Verstopfung des Hirns, gegen Mundfäule, gegen das viertägige Fieber sowie zur Mund- und Zahnpflege, ferner zum Schwarz-Färben der Haare und gegen Milben.
Im 14. Jh. entstand im bairisch-alemannischen Sprachraum der anonyme Salbeitraktat. Er ist in drei Kapitel unterteilt: 1. Hinweise zu Arzneizubereitung, -form und -wirkung; 2. Beschreibung verschiedener pharmazeutischer Techniken und 3. Systematik der Heilpflanzen sowie alchemistische Vorschriften (u.a. zur Herstellung von Aquavit aus Branntwein und Salbei und zu dessen lebensverlängernder Wirkung).
Als Räucherstoff entwickelt Salbei ein herb-aromatisches und harzig-frisches Aroma. Da man dem Salbei eine reinigende und antikontagiöse Wirkung nachsagte, wurden Krankenzimmer – etwa die von Pestkranken – mit Salbei ausgeräuchert.
Der ma. Aberglauben nutzte Salbeiblätter als Mittel, die Liebe einer begehrten Person zu wecken. Ihres aromatischen Duftes wegen mutete man ihr magische Kräfte zu; sie galt als Abwehrmittel gegen Hexen und Dämonen, gegen den Bösen Blick und gegen Unwetter. Auch brachte der Aberglauben Salbeiblätter in Zusammenhang mit Kröten, wohl weil die Blattoberfläche runzlig wie Krötenhaut ist, und bei K. v. Megenberg heißt es: „die kroten ezzent gern salvei ...“
Als Gewürz gab man es frisch oder getrocknet und fein dosiert zu fettem Fleisch (Schwein, Lamm) oder Fisch (Aal), auch zu fettem Geflügel (Gans, Ente), schönte damit aber auch Soßen und Getränke (Met, Wein, Bier).
Als Symbol steht Salbei für die Jungfrau Maria, für Treue und liebendes Angedenken.