Schöpfrad

Aus Mittelalter-Lexikon
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Schöpfrad. In den an einem Fließgewässer gelegenen Städten wurde die öffentliche Wasserversorgung mancherorts durch Schöpfräder gewährleistet. Diese speisten entweder nahegelegene Brunnen oder ein System von Wasserleitungen. In Hannover bestand schon 1352 eine Brunnenanlage, zu der durch ein Schöpfrad das Flusswasser der Leine gefördert wurde. - In Zürich ist für 1382 ein Rad an der unteren Limmatbrücke belegt („Unteres Rad“), das einen unmittelbar auf der Brücke installierten Brunnen speiste. Ein „Oberes Rad“ wird erstmals anfangs des 15. Jh. erwähnt. – Als weiteres Beispiel sei Bremen genannt, wo 1394 ein Schöpfrad zur zentralen Wasserversorgung an der Weserbrücke eingerichtet wurde. Von hier aus floss das Wasser durch Holz- oder Tonröhren zu 200 häuslichen Entnahmestellen.
Schöpfräder dürften dem technischen Aufbau nach einem Holzschnitt im Murerplan von 1576 entsprochen haben: diese zeigt ein unterschlächtiges, von der Strömung angetriebenes Rad unterhalb der flussabwärts gelegenen Brückenmitte, das sich in einer Holzbalkenkonstruktion dreht. Am Umfang des Rades sind beidseits Tonkrüge befestigt, aus denen sich das Wasser in Rinnen entleert, die zu dem überdachten Brunnentrog führen.
(s. Schöpfmühlen, Wasserkünste)