Schlaganfall

Aus Mittelalter-Lexikon
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Schlaganfall (mhd. slac; slac gotes; gewalt gotes, so man apoplexiam nempt; mlat. apoplexia. Durch Störung der Hirndurchblutung hervorgerufener akuter oder subakuter Insult.) Der plötzlich und unvorhersehbar eintretende Tod oder Verlust der Körper- und/oder Sprachbeherrschung erschien dem Menschen des Mittelalters als durch gewaltsame Anrührung Gottes, durch Gottes Schlag verursacht. Als Ursachen wurden dämonische oder zauberische Kräfte angesehen oder auch niederfallende Blutstropfen im Hirn (tropfe, trophe). Fällt der Tropfen zur rechten Seite hin, werde die rechte Seite gelähmt und umgekehrt; fällt er jedoch zur Mitte hin, folgt der Tod. Sofern Befallene Symptome zeigten, die denen von Irresein glichen – etwa unbeherrschte Mimik, unverständliches Lallen oder Demenz – wurden sie wie Narren in den Siechkobel getan. Als Vorbeuge galten Aderlässe oder das Mit-sich-tragen bestimmter Amulette (Rosskastanien, Wurzeln von Verbascum thapsus). Als heilsam bei manifestem Schlag galten Niesmittel, lauwarme Fuß- und Handbäder mit Salz- und Aschezusätzen, Vollbäder mit Heublumen, Einreibungen mit Regenwürmeröl oder Menschenfett usf. Gelähmte Glieder peitschte man mit Brennnesseln. Wo alle Kunst versagte, blieb noch das Anrufen St. Wolfgangs.
Eine andere Form von Schlaganfall ist der plötzliche Herztod oder Herzschlag. Er tritt meist innerhalb weniger Sekunden ein und hat als Ursache einen Myocard-Infarkt, eine -Ruptur oder Kammerflimmern.