Schwalbe

Aus Mittelalter-Lexikon
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Schwalbe (mhd. swalwe, swalbe; lat. hirundo). Singvogel aus der Familie der Sperlingsvögel, bei uns als Brutvogel verbreitet Hirundo rustica = Rauchschwalbe und Hirundo urbicum = Mehlschwalbe. Gekennzeichnet durch schlanken, windschlüpfrigen Körper, lange schmale Flügel, gegabelten Schwanz und schnelles, wendiges Flugbild - gut zu beobachten bei der Jagd auf Fluginsekten. Als Zugvogel kündet sie bei der Rückkehr aus dem Winterquartier den Frühling an. Ihre Nester waren an Häusern und in Ställen gerne gelitten, da sie als Glücksgaranten galten: Schwalbennester schützen das Haus vor Blitzschlag, Feuersbrunst und anderem Unglück. Schwalbenfleisch, -blut, –organe, –eier, -nest und –kot wurden seit alters zur Herstellung von Heilmitteln gegen viele Krankheiten, als Schönheitsmittel und Liebeszauber benutzt.
Hildegard v. Bingen empfiehlt Einem, der durch „Fressen und Saufen aussätzig wird“, die Einreibung mit einer Salbe, die u.a. aus Schwalbenkot, Klette, Storchenfett und Schwefel besteht.
Im Aberglauben gab der Anblick der ersten Schwalbe des Jahres die Fähigkeit, Geister zu sehen. – Aus dem Schwalbenflug glaubte man, die kommende Witterung vorhersagen zu können – dabei folgte dieser nur den aktuellen atmosphärischen Gegebenheiten. (Bei Schönwetterlage trug der aufsteigende erwärmte Wind die Jagdbeute der Schwalben – Fluginsekten – in die Höhe, die Schwalben „flogen hoch“.)
Im christl. Volksglauben galt die Schwalbe als Mutter-Gottes-Vogel, floh sie doch zur Zeit Mariae Geburt (September) vor der kommenden Winterkälte und kehrte zu Mariae Verkündigung (März) zurück, um das ersehnte Frühjahr anzusagen. - Schon der Prophet Jeremia pries die Pünktlichkeit, mit der die Schwalbe die Zeit ihrer Rückkunft einhält.
(s. Bauernregeln, Schwalbennest, Tierorakel)