Silberdistel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Silberdistel (Eberwurz [wohl Fehldeutung von mhd. aber = gegen, wider], Karls-, Wetter-, Kraftwurz u.a. volkstümliche Namen; der botan. Name Carlina acaulis bezieht sich auf eine Legende um Karl d. Gr. und auf den kurzen Stängel der Blüte [acaulis = stängellos]). In Mittel- und Südeuropa verbreitete mehrjährige distelähnliche Pflanze aus der Familie der Korbblütler mit flachaufliegender Blattrosette und kurzgestieltem, bis zu 10 cm Ø großem silberglänzendem Blütenkopf. Die wärmeliebende Pflanze hat eine tiefreichende Pfahlwurzel und bevorzugt kalkhaltige, trockene Böden. Die weißen Hüllblätter um den Blütenkopf sind wasserbindend (hygroskopisch): sie ziehen sich bei hoher Luftfeuchtigkeit (drohendem Regen) zusammen bzw. spreizen sich bei schönem Wetter – daher der Name „Wetterdistel“, der die Silberdistel als Orakelpflanze ausweist.
Der fleischige, einer Artischocke ähnelnde Blütenboden wurde als Gemüse genossen und sollte ma. Aberglauben nach verschiedene medizinische und magische Wirkungen haben. So sollte er körperliche Kraft und männliche Potenz verleihen und vor Seuchen (besonders der Pest) schützen, sowie allgemein zauberbedingte Krankheiten bei Mensch und Tier abwehren.
In dem Kräuterbuch, das einem Pseudo-Apuleios (5. Jh. u.Z.) zugeschrieben wird, ist von einer Walddistel (carduum silvaticum) die Rede, die möglicherweise mit der Eberwurz gleichzusetzen ist. Diese (gemeint ist wohl deren Wurzel) würde - zur richtigen Zeit geerntet – als Amulett taugen („nihil mali tibi occurrit“).
In ma. Kräuterbüchern wird die Silberdistel nicht erwähnt. Hildegard v. Bingen handelt von einer „schwarzen Eberwurz“ (Carlina caulescens?), die zum Blutentzug bei solchen Menschen geeignet sei, welchen aufgrund ihres hohen Alters ein Aderlass nicht mehr zuträglich ist. Eine Zubereitung aus dem Kraut (gemeint ist wohl die Wurzel) verursache Pusteln auf der Haut, die beim Aufbrechen die üblen Säfte ausfließen lassen.