Spargel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Spargel (mhd. spargel, sparger; grch./lat. asparagus = junger Trieb). Artenreiche Pflanzengattung, beheimatet in gemäßigten Zonen Eurasiens und Afrikas, deren wichtigste die Wildarten Asparagus officinalis (Gemüse- oder gemeiner S.) und Asparagus acutifolius (spitzblättriger S.) waren. Die Pflanze besteht aus einem etwa 1 m hohen, feinverzweigten Stängel mit feinen Blättchen und einem Wurzelstock, aus dem im Frühjahr fingerdicke fleischige Sprossen aus dem Erdreich wachsen. Aus den kleinen grünlich-weißen Blüten entwickeln sich rote Beeren, die schwarze Samenkörner enthalten.
Die Spargelpflanze war schon in der Antike bekannt und wurde im Mittelmeerraum als Gemüse- und Arzneipflanze kultiviert. Als Gemüse nutzte man die frisch ausgetriebenen grünen Stängel, die als „Schmeichelei des Gaumens“ und als „die zuträglichste Speise für den Magen“ (Plinius) gerühmt wurden. Nach Dioskurides nutzten griechische Ärzte die Spargelwurzel als Arznei gegen Durchfall, gegen Erkrankungen der Harnwege, der Milz und der Leber. Wohlhabende Römer schätzten die gekochten Sprossen als Delikatesse und als Aphrodisiacum.
Gemüsespargel enthält bei ca. 93% Wasser wenig Nährstoffe und viel faserige Ballaststoffe sowie Wirkstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe (als deren wichtigste Kaliumsalze), Aromastoffe (ätherische Öle).
Im MA. kam der Spargel durch Mönche oder heimkehrende Kreuzfahrer in die Gebiete nördl. der Alpen, und wurde in Klostergärten heimisch. (Um 900 wird im Kloster St. Gallen Spargel als Heilpflanze erwähnt.) Überraschenderweise verwendete man zunächst nicht die Stangen, sondern nur die roten Beeren. Im „Leipziger Drogenbuch“, einer Kräuterkunde-Kompilation des 15. Jh. liest man: „Der Spargel ist ein Strauch und ist wärmend und trocknend, seine Blätter sind sehr klein und prickeln wie der Dornstrauch ... Seine Frucht und der Same sind für die Arznei geeignet.“ (Zit. nach J. G. Mayer)
In einer Pariser Handschrift des Tacuinum Sanitatis (15. Jh.) steht: "Vorzuziehen ist frischer Spargel, dessen Spitzen sich zur Erde neigen. Nutzen: er stärkt die geschlechtliche Potenz und öffnet Verstopfungen. Schaden: er schadet den Magengeweben. Verhütung des Schadens: wenn er gekocht ist, soll er mit Salzwasser und Essig genossen werden." (Zit. nach B. Laurioux)
Spargelbeeren wurden mit den gleichen Heilanzeigen wie in der Antike die Sprossen verwendet. Erst in der frühen Neuzeit entstanden Spargelkulturen, die ausschließlich kulinarischen Genüssen dienten – und nebenbei Kraft zu ehelichen Werken geben sollten. Die Stangen sollen mit den Fingern gegessen worden sein, da schwefelhaltige Inhaltsstoffe die Messer hätten anlaufen lassen.
(Die in Erdwällen gezogenen und am unteren Ende - also im Boden - abgschnittenen („gestochenen“) weißen Spargelstangen sind erst seit dem 19. Jh. als Edelgemüse bekannt.)