Stabreim

Aus Mittelalter-Lexikon
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Stabreim (Fachterminus der Verslehre aus dem 19. Jh., gebildet nach germ. Stab = Runenzeichen; mhd. die rede staben = formulieren; auch: Alliteration = gleicher Anlaut der betonten Silben aufeinanderfolgender Wörter.). Die germanische Dichtung bis in das 9. Jh. war gekennzeichnet durch den Stabreim. Dieser stellt einen Anlautreim dar, bei welchem bedeutungstragende Wörter (Nomina, Verba) durch gleiche Anlaute ("Stäbe", "Reimstäbe") hervorgehoben werden. Anlautende Vokale staben sämtlich untereinander, Konsonanten und Lautgruppen wie st, sp, sk nur mit sich selbst. Jede Langzeile, bestehend aus An- und Abvers, hat vier Haupthebungen; drei der vier Hebungen beginnen mit dem gleichen Anlaut: welaga nu/waltant got,/wewurt/skihit (Weh nun, waltender Gott, Wehleid geschieht.)
Kurzzeilen (ursprünglich die unselbständigen Hälften einer Langzeile) staben nur in sich:
wechant deota/wissant ze dinge (wecken das Volk, weisen zum Dinge).