Stundenbuch

Aus Mittelalter-Lexikon
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Stundenbuch (mlat. horarium). Im HMA. aufgekommenes lat. oder volkssprachliches Gebet- und Andachtsbuch für Laien; enthielt die für Laien empfohlenen Stundengebete (daher auch "Laienbrevier" genannt), Buß- und Trostpsalmen, Gesänge und Bibeltexte, Heiligenviten, Lobpreisungen, geistliche Sprüche und andere Texte; im Kalenderteil mit Miniaturen (Monatsbildern) und astronomischen Verweisen (Tierkreiszeichen) ausgeschmückt. Die Monatsbilder schilderten das bäuerliche Leben im Jahreslauf, mit Ackern, Säen, Ernte und winterlicher Ruhezeit, allerdings als eine Idylle, die der rauen Wirklichkeit nicht entsprach. Der kostbaren Ausstattung und der farbenprächtigen, naturalistischen Miniaturen wegen waren Stundenbücher Luxusgüter und auf einen aristokratischen Auftraggeberkreis beschränkt. Für sma. Zeitgenossen wurden horarien zu einer der beliebtesten Literaturgattuung; für heutige Betrachter vermitteln sie viele Informationen über die damalige Welt, nicht zuletzt über bäuerliches Werken im Jahreslauf. Schönstes Beispiel: das Stundenbuch der Brüder von Limburg für den Duc de Berry (1413/16). Allgemeine Verbreitung fanden Stundenbücher nach der Einführung des Buchdrucks.