TO-Karten

Aus Mittelalter-Lexikon
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TO-Karten. Weltkarten (mappae mundi) aus dem christl. Abendland folgten bis ins HMA. dem TO-Schema, nach welchem der erdumschlingende Ozean als Kreis (O) und die von ihm ausgehenden erdteiletrennenden Wasser in Gestalt eines T dargestellt sind. Da bei der damals üblichen geosteten Darstellung Asien im oberen Segment, Europa im unteren linken Sektor und Afrika im unteren rechten Sektor zu liegen kommt, bildet das Mittelmeer die senkrechte Säule, Tanais (Don) und Nilus bzw. die Dardanellen und das Schwarze Meer den waagrechten Balken des dem O eingeschriebenen T. In der allgegenwärtigen Versinnbildlichung der Zeit stand das T für das Kreuz Christi und die Erlösung, das O das in Gottes Heilsplan eingeschlossene Weltganze, Orbis terrarum, die Ökumene. (Beispiele: die beschriftete Erdscheibe, die Kaiser Augustus als Weltenherrscher in der Linken hält [Darstellung im „Liber Floridus“ des Lambertus von St. Omer, 1120]; die ®Ebstorfer Weltkarte [13. Jh.]; die „Londoner Psalterkarte“ [13. Jh. ]; die Radkarte in der 1472 gedruckten Ausgabe der "Etymologiae" des Isidor v. Sevilla, gilt als erste gedruckte Karte des Abendlandes.)
Bei dieser Art ma. Universalkartographie spielten die tatsächlichen geographischen und topographischen Gegebenheiten kaum eine Rolle. Das Anliegen der TO-Karten war vielmehr die enzyklopädische Zusammenschau einer christlich-idellen Weltsicht. Diese ma. Weltsicht des Abendlandes wurzelte außer in biblischen Texten und in Überlieferungen der griech. und röm. Antike in Schriften wie „Ethymologiae“ und „De natura rerum“ des Isidor von Sevilla und den enzyklopädischen Werken von Beda Venerabilis und Hrabanus Maurus.