Taschentuch

Aus Mittelalter-Lexikon
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Taschentuch, Sack-, Nas-, Schnaub-, Schneuz-, Schnupftuch (spmhd. schnuptuch, schnoptuchlin; frmhd. facilet, faceletlein; lat. nasitergium = Nasentuch). Mit den diversen Tüchlein, die zur Etikette der gehobenen Gesellschaft der röm. Antike gehörten, steht unser Taschentuch nicht in Verbindung, ein Nachklang findet sich allenfalls im Manipel des kath. Kirchenkults (s. Paramente).
Im abendländischen MA. war es allgemein üblich, das Nasensekret ungeniert auszuniesen, hochzuziehen oder mit den Fingern oder in die hohle Hand auszuschnäuzen. Das mehr oder weniger schleimige Sekret (mhd. roz, rotz; lat. narium excrementa) wischte man am Nächstbesten ab, und das war meist die Kleidung. Gegen Ende des MA. breitete sich von Italien her in gehobenen Kreisen der Brauch auf, zum Naseputzen ein mit Spitzen oder Stickerei verziertes Tüchlein (Fazzoletti) aus feinem Leinen mit sich zu führen, das dekorativ am Oberkleid mitgeführt wurde. Erst in der Neuzeit sollte aus dem luxuriösen Accessoir ein Gegenstand selbverständlicher Hygiene werden, den man in einer Falte oder einer Einstecktasche der Kleidung verbarg.
(s. Nase, niesen)