Thymian

Aus Mittelalter-Lexikon
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Thymian (auch: Quendel; mhd. quenel, quendel, konel, thimean; grch. thymon, zu thyein = räuchern, ein Rauchopfer darbringen; lat. cunila, conila, thymus; botan. Thymus vulgaris). Niedrigwachsende strauchartige Würz- und Heilpflanze aus der Familie der Lippenblütler, mit ährenartigen Blütenständen, rosaroten bis violetten Blüten und kleinen, eiförmigen Blättern von stark aromatischem Geruch. Die mehrjährige Pflanze ist im Mittelmeerraum beheimatet und gedeiht bei uns nur an sonnenreichen, trockenen Standorten. Ihre Bedeutung als Heil-, Würz- und Zauberkraut beruht auf dem Gehalt des Krautes an ätherischen Ölen, Gerbstoffen und Flavonoiden. Die Blätter können ganzjährig geerntet und für den Winter getrocknet werden.
Die Pflanze wurde schon in der Antike genutzt und in ma. Klostergärten kultiviert. „Nach Dioskurides hilft Thymian bei Asthma, löst den Schleim in Rachen und Magen, vertreibt den Bandwurm und fördert Harn und Menstruation“ (Zit. G. Mayer). Ärzte der Antike kannten als Heilanzeigen noch Warzen, Hämorrhoiden, Ödeme und Ischias.
Der Gelehrte Isidor von Sevilla (7. Jh.) nannte den Th. „matris animula“ (Mutterseelchen), weil er menstruationsfördernd wirkte („propter quod menstrua moveat“).
Im Lorscher Arzneibuch (8. Jh.) wird Thymian als Universalheilmittel dargestellt, wirksam bei Verdauungs-, Leber-, Magen- und Milzproblemen.
Hildegard von Bingen charakterisiert Th. als wärmend und trocknend. Sie empfiehlt ihn besonders als Mittel gegen Keuchhusten und zum Abtreiben des Bandwurms. Ein Schwitzbad mit einer Abkochung vom ganzen Kraut samt der anhängenden Muttererde vertreibe die bösen Säfte.
Weitere ma. Heilanzeigen waren Spulwurmbefall, Hautleiden, Asthma, Vergiftungen und „Austreibung der toten Leibesfrucht.
In der Volksmedizin hielt man Thymian für hilfreich bei der Niederkunft („Frauenkraut“, „Marienbettstroh“) und legte ihn Gebärenden in die Lagerstatt.
Wie der grch. Name nahelegt, ist Thymian besonders für rituelle und für medizinische Räucherungen geeignet, Letzteres besonders bei Erkrankungen der Atemwege.
Im ma. Aberglauben galt die Pflanze – so wie andere stark aromatische Pflanzen – als Apotropäikum; sie schützte Mensch und Tier vor Krankheit, hielt Hexenzauber und Blitzschlag ab.