Tretrad

Aus Mittelalter-Lexikon
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Tretrad (Laufrad). Wo es auf eine präzise ein- und aussetzende Kraftentfaltung ankam, besonders an Orten, die für ®Göpelwerke nicht geeignet waren, wurde menschliche Arbeitskraft eingesetzt, so etwa in den für Kräne benutzten Treträdern. Auch bestimmte Werkmühlen hatten Tretradantrieb (fabricae pedales, Tretmühlen). Das Tretrad bestand aus einem horizontal gelagerten mühlradähnlichen Holzzylinder, der durch Holzspeichen drehfest mit der Achse (dem Wellbaum) verbunden war. Der Laufzylinder war rundum mit Brettern verschalt und innen mit Trittleisten versehen. (Neben dem von innen getretenen gab es schon bald das leistungsfähigere von außen getretene Rad.)
Der Wellbaum in Hebewerken hatte quadratischen Querschnitt und war im Bereich der Seilaufwicklung rund; an den Enden hatte er eiserne Lagerzapfen. Je nach Zylinderbreite konnten ein oder mehrere Männer das Tretrad in Bewegung setzen. In leichteren Treträdern – etwa für Blasebälge – konnten Hunde, bei größeren Krananlagen konnten auch Esel den Antrieb besorgen. Manchmal wurden mehrere Treträder zusammengekuppelt, um die Leistung zu bündeln. Der Hebe- oder Senkvorgang war durch am Radumfang wirkende Keilbremsen jederzeit abzustellen.
Folgendes Beispiel soll das Leistungsvermögen eines Tretradantriebs veranschaulichen: in einem Tretrad von 4,2 m Durchmesser können zwei Männer von je 75 kg Körpergewicht, bei einem wirksamen Hebelarm von 0,8 m im Rad, am Lastaufnahmegerät eine Hebekraft von 600 kg entwickeln. Mittels Flaschenzug lässt sich die Hebekraft vervielfältigen. Das Tretrad eines ma. Lastenaufzugs ist auf den Dachboden des Bamberger Doms und dem der Heilig-Kreuz-Kirche in Schwäbisch Gmünd erhalten.